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Die Waldfrau. 137

im dünnen Gewölk, ſie wurden deutlich und deutlicher, lichter
Glanz ſäumte die Kanten ihrer Höhen, die Sonne neigte zum
Untergang... ſchmelzend, duftig flimmerte die Landſchaft...
Frau Hadwig war bewegt. Ein Stück großer weiter Natur
ſagte ihrem großen Herzen zu. Die Gefühle aber ruhen nahe
beieinander. Ein zarter Hauch zog durch ihr Denken; ihre
Blicke wandten ſich von den ſchneeigen Häuptern der Alpen auf
Ekkehard. Ex will der heiligen Hadwig eine Kapelle weihen! ſo
klang es immer und immer wieder in ihr.
Sie trat einen Schritt vor, als fürchte ſie den Schwindel,
lehnte den rechten Arm auf Ekkehards Schulter und ſtützte ſich
feſt auf ihn. Ihr Auge flammte auf die kurze Entfernung in
das ſeine hinüber. Was denkt mein Freund? ſprach ſie mit
weicher Stimme.
Ekkehard ſtand zerſtreut. Er fuhr auf.
Ich bin nie auf ſolcher Höhe geſtanden, ſprach er, bei dem
Anblick mußt' ich der Schrift gedenken: „Hernach führte ihn der
Teufel auf einen ſehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche
der Welt und ihre Pracht und ſprach zu ihm: Dies alles will
ich dir geben, wenn du niederfällſt und mich anbeteſt. Er aber
antwortete und ſprach: Weg von mir, Satan! denn es ſteht ge⸗
ſchrieben: Du ſollſt den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm
allein dienen.“
Starr trat die Herzogin zurück. Das Feuer ihres Auges
wandelte ſich, als hätte ſie den Mönch hinabſtoßen mögen in
den Abgrund.
Ekkehard! rief ſie, Ihr ſeid ein Kind — oder ein Tor!
Sie wandte ſich und ſtieg ſchnellen, unmutigen Ganges hin⸗
unter. Sie ritt allein zur Feſte Twiel zurück, ſauſend, im
Galopp; kaum mochte der Diener folgen.
Ekkehard wußte nicht, wie ihm geſchehen. Er fuhr mit der
Hand über die Augen, als lägen Schuppen davor.
Wie er in ſtiller Nacht auf ſeiner Hohentwieler Turmſtube
ſaß und den Tag überdachte, flammte ein ferner Feuerſchein
herüber. Er ſchaute hinaus. Aus den Tannen am hohen Krä⸗
hen ſchlug die feurige Lohe.


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