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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0139
138 Zehntes Kapitel.

Die Waldfrau hatte der künftigen Kapelle zur heiligen Had⸗
wig ihren letzten Beſuch erſtattet.

Zehntes Kapitel.
Weihnachten.

Der Abend auf dem hohen Krähen klang noch etliche Tage in
der Herzogin Gemüt fort. Mißtöne werden ſchwer vergeben,
zumal von dem, der ſie ſelber angeſchlagen. Darum ſaß Frau
Hadwig einige Tage verſtimmt in ihrem Saal. Grammatik und
Virgilius ruhten. Sie ſcherzte mit Praxedis über die Schul⸗
meiſter in Konſtantinopel angelegentlicher denn früher. Ekke⸗
hard fragte an, ob er zu Fortſetzung des Unterrichtes ſich ein⸗
ſtellen ſolle. Ich habe Zahnweh, ſprach die Herzogin. Die rauhe
Spätherbſtluft werde ſchuld daran ſein, meinte er bedauernd.
Er fragte jeden Tag etliche Male nach ſeiner Gebieterin Be⸗
finden. Das rührte die Herzogin wieder. Woher kommt's,
ſprach ſie einmal zu Praxedis, daß einer mehr wert ſein kann,
als er ſelber aus ſich zu machen weiß?
Vom Mangel an Grazie, ſagte die Griechin. In andern Län⸗
dern hab' ich das Umgekehrte wahrgenommen, aber hier ſind
die Menſchen zu träge, mit jedem Schritt, mit jeder Handbe⸗
wegung, mit jedem Wort auszuſprechen: das bin ich. Sie den⸗
ken's lieber und meinen, es müßte dann die ganze Welt auf
ihrer Stirn leſen, was dahinter webt und ſtrebt.
Wir ſind doch ſonſt ſo fleißig, ſprach Frau Hadwig wohl⸗
gefällig.
Die Büffel ſchaffen auch den ganzen Tag, hätte Praxedis
ſchier erwidert, aber in dieſem Falle begnügte ſie ſich damit, es
gedacht zu haben.
Ekkehard war unbefangen. Es fiel ihm nicht ein, daß er der
Herzogin ungeeignet geantwortet. Er hatte wirklich an das
Gleichnis der Schrift gedacht und überſehen, daß es dem leiſen
Ausdruck einer Zuneigung gegenüber nicht zweckmäßig iſt, die
Schrift anzuführen. Er verehrte die Herzogin, aber mehr als


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