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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0143
142 Zehntes Kapitel.

ſchen Landen ſeine Geſänge fortlebten, der hohen Frau dankend,
die ſein pflege. In wenig Minuten war's fertig.
Das Gedicht wollte Ekkehard mit einer ſchönen Malerei ver⸗
ziert zu Pergament bringen. Er ſann ein Bild aus: die Herzo⸗
gin mit Krone und Zepter auf hohem Throne ſitzend, ihr kommt
Virgilius im weißen Gewand, den Lorbeer in den Locken,
entgegen und neigt das Haupt; an der Rechten aber führt er
den Ekkehard, der beſcheiden wie der Schüler mit dem Lehrer
einherſchreitet, ebenfalls tief ſich verneigend.
In der ſtrengen Weiſe des trefflichen Folkard entwarf er
die Zeichnung. Er erinnerte ſich an ein Bild im Pſalterbuch,
wie der junge David vor den König Abimelech tritt¹⁸¹). So
ordnete er die Geſtalten; die Herzogin zeichnete er zwei Finger
breit höher als Virgilius, und der Ekkehard des Entwurfs war
hinwiederum ein beträchtliches kleiner als der heidniſche Poet;
— anfangende Kunſt, der es an anderem Mittel des Ausdrucks
gebricht, ſpricht Rang und Größe äußerlich aus.
Den Virgilius bracht' er leidlich zuwege. Sie hatten ſich
in Sankt Gallen bei ihren Malereien ſtets an Überlieferung
alten Bilderwerks gehalten und für Gewandung, Faltenwurf
und Bezeichnung der Geſtalt einen gleichmäßig ſich wieder⸗
holenden Zug angenommen. Ebenſo gelang es ihm mit ſeinem
eigenen Abbild, ſofern er wenigſtens eine Figur im Mönchs⸗
habit, kenntlich durch eine Tonſur, herſtellte.
Aber ein verzweifelt Problema war ihm die richtige Dar⸗
ſtellung einer königlichen Frauengeſtalt, denn in die klöſterliche
Kunſt hatte noch kein Abbild einer Frau, ſelbſt nicht das der
Gottesmutter Maria, Einlaß erhalten. David und Abimelech,
die er ſo gut im Zug hatte, halfen ihm nichts, bei ihnen brach
der Königsmantel ſchon hoch über dem Knie ab, und er wußte
nicht, wie den Faltenwurf tiefer herabſenken.
Da lagerte ſich wiederum Kümmernis auf ſeine Stirn. Nun?
fragte Praxedis eines Tages.
Das Lied iſt fertig, ſprach Ekkehard. Itzt fehlt mir was
anderes?
Was fehlt denn?


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