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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0144
Weihnachten. 143

Ich ſollte wiſſen, ſprach er wehmütig, in welcher Weiſe ſich
der Frauen Gewand um den zarten Leib ſchmiegt.
Ihr ſprecht ja ganz abſcheulich, erleſenes Gefäß der Tugend,
ſchalt ihn Praxedis. Ekkehard aber erklärte ihr ſeinen Kummer
deutlicher. Da machte die Griechin eine Handbewegung, als
wolle ſie die Augenlider in die Höhe ziehen: Macht die Augen
auf, ſagte ſie, und ſeht Euch das Leben an. Der Rat war ein⸗
fach und doch neu für einen, der ſeine ganze Kunſt auf einſamer
Stube erlernt. Ekkehard ſchaute ſeine Ratgeberin lang und ab⸗
meſſend an. Es frommt mir nichts, ſprach er, Ihr tragt keinen
Königsmantel.
Da erbarmte ſich die Griechin des zweifelerfüllten Künſtlers.
Wartet, ſagte ſie, die Frau Herzogin iſt drunten im Garten, ich
will ihren Staatsmantel umlegen, da kann Euch geholfen wer⸗
den. Sie huſchte fort; in wenig Minuten war ſie wieder da, der
ſchwere Purpurmantel mit goldener Verbrämung hing ihr nach⸗
läſſig um die Schultern. In gemeſſenem Schritt ging ſie durch
das Gemach, ein eherner Leuchter ſtand auf dem Tiſch, ſie nahm
ihn wie einen Zepter, das Haupt auf die Schulter zurückge⸗
worfen, trat ſie vor den Mönch.
Der hatte ſeine Feder ergriffen und ein Stücklein Perga⸗
ment. Wendet Euch ein wenig gegen das Licht, ſprach er, und
begann emſig ſeine Striche zu ziehen.
Jedesmal aber, wenn er nach ſeinem anmutigen Vorbild
ſchaute, warf ihm dies einen blitzenden Blick zu. Er zeichnete
langſamer. Praxedis ſchaute nach dem Fenſter: und da unſere
Nebenbuhlerin im Reich, ſprach ſie mit künſtlich erhobener
Stimme, bereits den Burghof verläßt und uns zu überfallen
droht, ſo befehlen wir Euch bei Strafe der Enthauptung, Eure
Zeichnung in eines Augenblicks Friſt zu vollenden.
Ich danke Euch, ſprach Ekkehard und legte die Feder nieder.
Praxedis trat zu ihm und beugte ſich vor, in ſein Blatt
zu ſehen. Schändlicher Verrat, ſprach ſie, das Bild hat ja
keinen Kopf. .
Ich brauche nur den Faltenwurf, ſagte Ekkehard.
Ihr habt Euer Glück verſäumt, ſcherzte Praxedis im früheren


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