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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0169
Der Alte in der Heidenhöhle. 167

Und wenn von Frieden die Rede iſt, ſo ſagt ihr, der Alte in
der Heidenhöhle hätt' einmal einen ſchlechten geſchloſſen, er
tät's nicht wieder, trotzdem ihn ſein Kopfweh noch plagt wie
damals; er woll' itzt lieber ſelber ſeinen Gaul ſatteln, wenn die
Schlachtdrommeten blaſen — leſt eine Meſſe für ihn, wenn Ihr
ſeinen letzten Ritt überlebt.
Der Alte hatte geſprochen mit ſeltſamer Lebendigkeit. Plötz⸗
lich ſtockte die Stimme, ſein Atem ward kurz, faſt ſtöhnend, er
neigte ſein Haupt: Es kommt wieder! ſprach er.
Rauching, der Dienſtmanne, ſprang ihm bei und brachte einen
Trunk Waſſers. Die Beklemmung ließ nicht ab.
Wir müſſen das Mittel anwenden! ſprach Rauching. Er
wälzte aus der Höhlentiefe einen ſchweren Steinblock vor, von
eines Mannes Höhe, der trug Spuren von Bildhauerwerk; ſie
hatten ihn in der Höhle als unerklärtes Denkmal früherer
Bewohner vorgefunden. Er ſtellte ihn aufrecht an die Fels⸗
wand; es war, als ſei eines Menſchen Haupt dran angedeutet
und eine Biſchofsmitra. Und Rauching ergriff einen gewaltigen
knorrigen Stock und gab dem Alten einen zu Handen und be⸗
gann auf das Steinbild einzudreſchen und ſprach einen Spruch
dazu, langſam und ernſt wie eine Litanei: Luitward von Ver⸗
celli! Reichsverräter, Ehebrecher, neque enim! Nonnenräuber,
Machterſchleicher, neque enim! ... Dicht fielen die Streiche,
da legte ſich ein Lächeln um des Alten welke Züge, er erhob
ſich und ſchlug mit matten Armen ebenfalls drauf:
Es ſteht geſchrieben, ein Biſchof muß tadellos ſein, ſprach
er in Rauchings Ton, — das für den Nordmänner⸗Frieden!
das für der Kaiſerin Richardis Verführung, neque enim! Das
für den Reichstag zu Tribur, das für Arnulfs Kaiſerwahl!
neque enim!!
Die Höhle widerhallte vom dumpfen Klang; feſt ſtand das
Steinbild im Hagel der Schläge, dem Alten ward's leicht und
leichter, er hieb ſich warm am alten Haß, der ihm ſeit Jahren
ein dürftig Leben friſtete.
Ekkehard verſtand den Hergang nicht ganz. Es ward ihm
unheimlich. Er empfahl ſich und ging.


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