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174 Zwölftes Kapitel.
Da zog Heribald ſeinen Schuh aus und hielt ihn den Brüdern
entgegen: Der Schuh iſt ſchon im vorigen Jahr zerriſſen, ſprach
er, da iſt Heribald zum Camerarius gegangen; gib mir mein
jährlich Leder, hat Heribald geſagt, daß ich mir ein neu Paar
Schuhe anfertige; da hat der Camerarius geſagt: Tritt du deine
Schuhe nicht krumm, ſo werden ſie nicht reißen, und hat das
Leder geweigert, und wie Heribald den Camerarius beim Abt
verklagt, hat ihm der geſagt: Ein Narr, wie du, kann barfuß
laufen! Jetzt hat Heribald kein ordentlich Fußwerk, und mit
zerriſſenem geht er nicht unter fremde Leute... 162)
Solchen Gründen war keine ſtichhaltige Widerlegung ent⸗
gegenzuſetzen. Da umſchlangen ihn die Brüder mit ſtarkem
Arm, ihn hinabzutragen; im Gang aber riß er ſich los und floh
mit Windeseile hinab in die Kirche und die Treppen hinauf, die
auf den Kirchturm führten. Zu oberſt ſetzte er ſich feſt und zog
das hölzerne Stieglein empor; es war ihm nimmer beizu⸗
kommen.
Sie erſtatteten dem Abte Bericht. Laſſet ihn zurück, ſprach
der Abt, über Kinder und Toren wacht ein beſonderer Schutz⸗
engel.
Zwei große Lädinen lagen am Ufer, die Abziehenden aufzu⸗
nehmen: wohlgerüſtete Schiffe mit Ruder und Segelbaum. In
kleinen Kähnen hatten ſich des Kloſters dienende Leute und was
ſonſt noch auf der Reichenau hauſte, mit Hab und Gut einge⸗
ſchifft; es war ein wirres Durcheinander.
Ein Nachen voll von Mägden und befehligt von Kerhildis,
der Obermagd, war bereits abgefahren; ſie wußten ſelber nicht
wohin, — aber die Furcht war diesmal größer als die Neugier,
die Schnurrbärte fremder Reitersmänner zu ſehen.
Jetzt zogen die Kloſterbrüder heran; es war ein ſeltſamer
Anblick: die meiſten in Wehr und Waffen. Litanei betend
andere, den Sarg des heiligen Marcus tragend, der Abt mit
Ekkehard und den Zöglingen der Kloſterſchule — betrübt ſchau⸗
ten ſie noch einmal nach der langjährigen Heimat, dann ſtiegen
ſie zu Schiffe.
Wie ſie aber in den See ausfuhren, huben alle Glocken an
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