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180 Zwölftes Kapitel.
fälligem Ochſenwagen in der Nachhut führten ſie den blinden
Thieto mit. Gott zum Gruß, erlauchte Frau Baſe, ſprach Abt
Cralo und neigte ſich vor ihr; wer hätt' vor eines halben
Jahres Friſt gedacht, daß ich mit dem geſamten Kloſter Euren
Beſuch erwidern würde? Aber der Gott Israels ſpricht: aus⸗
ziehen laß mein Volk, auf daß es mir getreu bleibe!
Frau Hadwig reichte ihm bewegt vom Roſſe herab die Hand.
Zeiten der Prüfung! ſprach ſie. Seid willkommen!
Verſtärkt durch die neuen Ankömmlinge zog die Hohen⸗
twieler Heerſchar in der Burg ſchirmende Mauern zurück. Pra⸗
xedis war in den Hof heruntergeſtiegen. Bei der Linde ſtand
ſie und ſchaute auf die einziehenden Männer; ſchon waren
die von Sankt Gallen alle im Hofraum verſammelt, unver⸗
wandt ſchaute ſie nach dem Tor, als müſſe noch einer nach⸗
kommen; doch der, den ihr Blick ſuchte, war nicht unter denen,
die da kamen.
In der Burg ging es an ein Einrichten und Unterbringen
der Gäſte. Der Raum war ſpärlich gemeſſen. Im runden
Hauptturm war eine luftige Halle, dort wurde mit aufge⸗
ſchüttetem Stroh für notdürftig Nachtlager geſorgt. Wenn das
ſo fortgeht, hatte der Schaffner gebrummt, der bald nicht mehr
wußte, wo ihm der Kopf ſtand, ſo haben wir bald die ganze
Pfaffheit Europas auf unſerem Fels beiſammen.
Küche und Keller gaben, was ſie hatten.
Unten ſaßen Mönche und Kriegsleute bei lärmender Mahl⸗
zeit. Frau Hadwig hatte die beiden Äbte und wer von edeln
Gäſten ſich bei ihr eingefunden, in ihrem Saale vereinigt; es
war viel zu beſprechen und zu beraten, ein Summen und
Schwirren von Frag' und Antwort.
Da erzählte Abt Cralo die Geſchicke ſeines Kloſters ¹66).
Diesmal, ſprach er, iſt uns die Gefahr ſchier übers Haupt
gewachſen. Kaum ward von den Hunnen geſprochen, ſo tönte
der Boden ſchon vom Hufe ihrer Roſſe. Itzt galt's. Die
Kloſterſchule hab' ich in die feſte Verſchanzung von Waſſerburg
geſchickt, Ariſtoteles und Cicero werden eine Zeitlang Staub
anſetzen, die Jungen mögen Fiſche im Bodenſee fangen, wenn's
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