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Heribald und ſeine Gäſte. 199
die brachten ſie als nützlichen Brandſtoff herbei und füllten da⸗
mit die Lücken am Holzſtoße.
Ellak und Hornebog ſchritten durch die Reihen. Eingeklemmt
zwiſchen den Scheitern, ſchaute eine ſauber geſchriebene Hand⸗
ſchrift betrüblich herfür, die goldenen Initialen glänzten an
den umgeknickten Blättern. Da zog Hornebog ſein krummes
Schwert und ſtach das Pergament heraus: auf der Spitze der
Klinge hielt er's ſeinem Gefährten entgegen.
Zu was die Haken und Hühnerfüße, Herr Bruder? ſprach er.
Ellak nahm das geſpießte Buch und blätterte darin: er war
auch des Lateiniſchen kundig.
Abendländiſche Weisheit! ſprach er. Einer namens Boësthius
„hat's geſchrieben; es ſtehen ſchöne Sachen drin vom Troſt der
Philoſophie.
Philo — ſophie, Herr Bruder, ſprach Hornebog, was iſt das
für ein Troſt?
Ein ſchönes Weib iſt's nicht, auch kein gebranntes Waſſer,
war Ellaks Antwort. Es iſt auf hunniſch ſchwer zu beſchreiben
... wenn einer nicht weiß, warum er auf der Welt iſt, und ſich
auf den Kopf ſtellt, um's zu erfahren, das iſt ungefähr, was die
im Abendland Philoſophie heißen. Den, der ſich damit getröſtet
in ſeinem Waſſerturm zu Pavia, haben ſie deswegen doch der⸗
einſt mit Keulen totgeſchlagen...
Mög's ihm wohl bekommen, ſprach Hornebog. Wer den
Säbel in der Fauſt und das Roß zwiſchen den Schenkeln hat,
weiß auch, warum er auf der Welt iſt. Und wenn wir's nicht
beſſer wüßten wie diejenigen, die ſolche Haken auf Eſelshaut
klexen, ſo wären ſie an der Donau uns auf den Ferſen und wir
tränkten unſere Roſſe nicht aus dem ſchwäbiſchen Meer.
Wißt Ihr auch, daß es ein Glück iſt, daß ſolches Zeug ange⸗
fertigt wird? fuhr Ellak fort und warf den Bosthius auf den
Scheiterhaufen zurück.
Warum? fragte Hornebog.
Weil die Hand, die die Rohrfeder führt, nimmer taugt, einen
Schwerthieb zu tun, der ins Fleiſch geht, und iſt der Unſinn,
den der einzelne Kopf ausheckt, einmal gebucht, ſo verbrennen
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