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Heribald und ſeine Gäſte. 201
Meſſer und Gabel. Aufrecht ſtund das große Weinfaß im Hofe,
ein jeder ſchöpfte draus, ſoviel ihm beliebte, da und dort kam
ein kunſtgeformter Kelch als Trinkgefäß zum Vorſchein. Auch
dem Heribald brachten ſie Weines die Hülle und Fülle, wie er
aber ſtillvergnügt dran nippte, flog ihm ein halb genagter Kno⸗
chen an Kopf — er ſchaute ſchmerzlich auf, aber er ſchaute,
daß noch manchen der Schmauſenden ein gleiches Schickſal er⸗
eilte; ſich mit den Knochen werfen, war hunniſcher Brauch
anſtatt des Nachtiſches.
Weinwarm begannen ſie drauf ein ungefüges Singen ¹7).
Zwei der jüngeren Reitersmänner trugen ein altes Lied zum
Preis des König Etzel vor; es hieß drin, daß er nicht nur mit
dem Schwerte, ſondern auch durch Liebreiz ein Sieger geweſen
allenthalb, und kam eine höhniſche Strophe über eines römi⸗
ſchen Kaiſers Schweſter, die ihm Hand und Herz aus verliebter
Ferne entgegentrug, ohne daß er's annahm.
Wie Eulenſchrei und Unkenruf klang der Chorus; dann tra⸗
ten etliche auf Heribald zu und machten ihm deutlich, daß auch
von ihm ein Geſang verlangt werde. Er wollte ſich weigern,
es half nichts. Da ſtimmte er ernſt und mit ſchier weinender
Stimme den Antiphon zu Ehren des heiligen Kreuzes an, der
da beginnt: Sanctifica nos! Staunend horchten die Trunkenen
den langen ganzen Tönen des alten Kirchenſangs, wie eine
Stimme aus der Wüſte klang die fremde Weiſe. Zürnend hörte
es auch die Waldfrau beim kupfernen Keſſel, mit ihrem Meſſer
ſchlich ſie herüber, faßte Heribalds Haupthaar und wollte ihm
das Gelock verſchneiden — der höchſte Schimpf, der eines Geiſt⸗
lichen durch die Tonſur geweihtem Haupte widerfahren konnte.
Aber Heribald ſtieß ſie zurück und ſang unverdroſſen weiter:
Das gefiel den Verſammelten, ſie jauchzten auf, Zimbal und
Geige fielen ein, itzt kam Erica auf den Mönch zu, der ein⸗
förmige Geſang war ihr langweilig geworden, mit ſchalkhaftem
Mitleid faßte ſie ihn. Nach Sang kommt Tanz, rief ſie und
riß ihn in den Wirbel betäubenden Reigentanzes ¹⁸). Heribald
wußte nicht, wie ihm geſchah. Der Heideblume Buſen wogte
ihm entgegen: „Ob Heribald tanzt oder nicht, es iſt nur ein
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