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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0205
Heribald und ſeine Gäſte. 203

Er verpackte Meßkelch und Ciborium in die rehfellene Jagd⸗
taſche; weiter war an Gold und Geld nichts vorrätig. Dann
verſammelte er ſeine Jagdhunde, den zur Reiherbeize geübten
Habicht und die zwei Falken; was ſeine Vorratkammer an
Fleiſch und Fiſchen bot, warf er ihnen vor: Freßt euch ſatt,
Kinder! daß nichts für die gottverfluchten Landplagen übrig
bleibt!
Das Faß im Keller ſchlug er entzwei, daß der funkelnde
Wein herausſtrömte: Nicht einen Tropfen Seeweins ſollen die
Teufel in Moengals Pfarrhaus zu ſchlucken bekommen. Nur
den Eſſig im Krug ließ er unverſehrt ſtehen.
Über die kriſtallhelle Butter in der Holztonne ſchüttete er
eine Schicht Aſche. Angelhaken und Jagdgerät vergrub er,
dann ſchlug er die Fenſter ein und ſtreute die ſpitzen Glasſcherben
ſorglich durch die Gemächer, andere ſteckte er zwiſchen die Spal⸗
ten der Dielen, — die Spitze nach oben — alles den Hunnen
zu Ehren. Habicht und Falken ließ er hinausfliegen: Lebt
wohl, rief er, und haltet euch gut in der Nähe, bald gibt's
tote Heiden zu benagen!
So war das Haus beſtellt. Die Taſche umgeworfen, eine
lederne hiberniſche Feldflaſche drüber, zwei Spieße in der
Fauſt, die Keule Cambutta auf den Rücken geſchnallt: ſo ſchritt
Moengal, der Alte, aus ſeinem langjährigen Pfarrſitz, ein
rechtſchaffener Streiter des Herrn.
Ein Stück Weges hatte er zurückgelegt: der Himmel war
verdüſtert von Brand und Rauch. Halt an! ſprach er, ich hab'
etwas vergeſſen!
Er ging wieder zurück: Einen Gruß zum Empfang iſt das
gelbgeſichtige Geſindel doch wert! Ein Stück Rötel zog er aus
ſeiner Taſche und ſchrieb damit in iriſcher Schrift ein paar
Worte auf die graue Sandſteinplatte über dem Portal des
Pfarrhofs. Gewitterregen hat ſie ſpäter verwaſchen, und nie⸗
mand hat ſie entziffert, aber ſicher war's ein inhaltſchwerer
Spruch, den Moengal, der Alte, in iriſchen Runen zurückließ.
— Er ſchlug einen ſcharfen Schritt an und wandte ſich dem
hohen Twiel zu.


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