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204 Vierzehntes Kapitel.
Vierzehntes Kapitel.
Die Hunnenſchlacht.
Karfreitagmorgen war angebrochen. Des Erlöſers Todes⸗
tag ward heute auf dem hohen Twiel nicht in der ſtillen Weiſe
begangen, wie es der Kirche Vorſchrift heiſchte. Des alten
Moengal Ankunft hatte alle Zweifel gelöſt, ob der Feind her⸗
annahe; noch in ſpäter Nacht hatten ſie Kriegsrat gehalten
und waren eins geworden, den Hunnen entgegen zu rücken und
ſie in offenem Feldſtreit zu beſtehen.
Trüb ging die Sonne auf, bald war ſie wieder verhüllt.
Sturmwind zog übers Land und jagte das Gewölk, daß es ſich
über den fernen Bodenſee niederſenkte, als wenn Waſſer und
Luft eins werden wollten. Dann und wann ſchlug ein Son⸗
nenſtrahl durch; es war des Frühlings noch unentſchiedener
Kampf mit des Winters Gewalten. Die Männer hatten ſich
vom Lager erhoben und rüſteten zu des ernſten Tages Arbeit.
In ſeiner Turmſtube ging Ekkehard ſchweigſam auf und
nieder, die Hände zum Gebet gefaltet. Ein ehrenvoller Auf⸗
trag war ihm geworden. Er ſollte zum verſammelten Kriegs⸗
volke die Predigt halten, bevor man auszöge zum Streit:
da betete er um Stärke und mutigen Flug der Gedanken, daß
ſein Wort werde zum glühenden Funken, der in aller Herz
die Flamme der Streitluſt entfache.
Plötzlich tat ſich die Türe ſeines Gemaches auf. Herein
trat die Herzogin ohne Praxedis' Begleitung; einen faltigen
Mantel hatte ſie über das Morgengewand umgeworfen als
Schutz gegen die Kühle der Frühſtunde, vielleicht auch, daß ſie
den fremden Gäſten unerkannt ſein wollte, wie ſie zum Turme
ſchritt. Ein leicht Erröten überflog ſie, wie ſie allein ihrem
jungen Lehrer gegenüber ſtand.
Ihr zieht heute mit in den Kampf? fragte ſie.
Ich ziehe mit, ſprach Ekkehard.
Ich würd' Euch verachten, müßt' ich eine andere Antwort
hören, ſprach die hohe Frau, — und Ihr habt wohl voraus⸗
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