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Die Hunnenſchlacht. 211
Ihr leſet die Alten der Grammatica halber, hatte er zu den
Abten geſagt, die hoch zu Roß bei ihm hielten, ich hab' mein
Handwerk von ihnen gelernt. Mit Frontinus' und Vegetius'
guten Ratſchlägen läßt ſich noch heutigentages was ausrichten.
Für den Anfang ſoll's heut mit der Schlachtordnung der römi⸗
ſchen Legionen erprobt ſein, dabei läßt ſich am beſten abwarten,
wie ſich der Feind zu erkennen gibt. Wir können dann noch im⸗
mer tun, wie wir wollen, die Sache geht nicht in einer halben
Stunde zu End'.
Er hieß die leichte Mannſchaft der Bogenſchützen und Schleu⸗
derer vorausrücken; ſie ſollten den Waldſaum beſetzen, vom
Tannendickicht gegen Reiterangriff geſchützt. Zielt nieder!
ſprach er, wenn ihr auch ſtatt des Mannes das Roß trefft, 's iſt
immer etwas!
Beim Klang der Weidhörner ſchwärmte die Schar vorwärts,
noch war kein Feind zu ſehen.
Die Männer des Aufgebots ordnete er in zwei Heerſäulen;
dichtgeſchloſſen, den Speer gefällt und langſam rückten ſie vor,
von der vorderen Säule zur zweiten ein Abſtand weniger
Schritte. Der von Randegg und der dürre Firdinger führten
ſie.
Die Mönche hieß er zu einem Haufen zuſammentreten und
ſtellte ſie in die Rückhut.
Warum das? fragte der Abt Wazmann; er kränkte ſich, daß
ihnen nicht die Ehre des vorderſten Angriffs zugeteilt ward.
Da lächelte der Kriegserfahrene: Das ſind meine Triarier,
ſprach er, nicht, weil altgediente Soldaten, wohl aber, weil ſie
um Rückkehr ins warme Neſt ſtreiten. Von Haus und Hof und
Bett verjagt ſein, macht die Hiebe am ſchwerſten und die Stiche
am tiefſten. Habt keine Sorge, die Wucht des Streites kommt
noch früh genug an die Mannſchaft des heiligen Benediktus!
Die Hunnen hatten bei Tagesgrauen das Reichenauer Kloſter
geräumt. Die Vorräte waren aufgezehrt, der Wein getrunken,
die Kirche geplündert: ihr Tagewerk war getan. Auf Heribalds
Stirn ward manche Runzel glatt, wie der letzte Reiter dem Tor
entritt. Er warf ihnen ein Goldſtück nach, das ihm der Mann
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