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Die Hunnenſchlacht. 215
Dumpf klang's von den anrückenden Männern in die Hun⸗
nenſchlacht:
Ach, unſer Leben iſt nur ein halbes Leben!
Des Todes Boten ſtändig uns umſchweben.
Wen mögen wir als Helfer uns erfleh'n,
Als dich, o Herr! den Richter der Vergeh'n?
Heiliger Gott!
und vom andern Flügel ſangen die Reichenauer Mönche ent⸗
gegen:
Dein harrten unſre Väter ſchon mit Sehnen,
Und du erlöſteſt ſie von ihren Tränen,
Zu dir hinauf erging ihr Schrein und Rufen,
Du warfſt ſie nicht von deines Thrones Stufen.
Starker Gott!
und von rechts und links klang's zuſammen — ſchon tönte
Schwerthieb und dumpfer Fall Getroffener dazwiſcher:.
Verlaß uns nicht, wenn Unkraft uns befallen,
Wenn unſer Mut entfleucht, ſei Stab uns allen;
O gib uns nicht dem bittern Tod zum Raube,
Barmherz'ger Gott, du unſer Hort und Glaube!
Heiliger Gott, heiliger ſtarker Gott!
Heiliger barmherziger Gott, erbarme dich unſer ¹⁸6)!
So ſtanden ſie im Handgemeng. Staunig hatten die Hun⸗
nen die herannahenden dunkeln Scharen erſchaut, Geheul und
der ziſchende teufliſche Ruf: hui! hui187)! war ihre Antwort
auf die media vita, auch Ellak teilte ſeine Reiter zum An⸗
griff und ringsum tobte der Kampf. Drein geſpornte Roſſe
durchbrachen das ſchwache Häuflein derer von Sankt Gallen,
grimmes einzelnes Streiten begann, es rang die Kraft mit der
Schnelle, germaniſche Ungelenkheit mit hunniſcher Liſt.
Da trank die Hegauer Erde manch frommen Mannes Blut.
Tutilo, der Starke, lag erſchlagen, er hatte eines Hunnen Roß
unterlaufen, den Reiter an den Füßen heruntergeriſſen und
ſchwang den Krummgeſichtigen durch die Lüfte, ihm das Haupt
an einem Feldſtein zerſchmetternd — aber ein Pfeil flog dem
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