http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0221
Die Hunnenſchlacht. 219
tete auf des fremden Reitersmannes Gewaffen wie Verheißung
des Siegs — itzt waren die zwei im Getümmel, als wollte
der Goldgerüſtete einen Gegner ſuchen. Der blieb ihm nicht
aus. Wie ihn des Hunnenführers ſcharfes Auge erſchaut, war
auch ſchon ſein Roß ihm entgegen gewandt, des fremden Rit⸗
tersmannes Speer fuhr an ihm vorüber, ſchon hub Ellak das
Schwert zu tödlichem Hieb. Doch der Dienſtmann warf ſich
dazwiſchen, ſein breites Schlachtſchwert erreichte nur des Hun⸗
nen Roß, da beugte er ſein Haupt vor und fing den Schlag,
der dem Gebieter galt; in Hals getroffen ging der treue Schild⸗
knappe in Tod.
In klirrendem Fall raſſelte Ellaks Pferd zu Boden, doch eh'
der Schall verhallt war, ſtund der Hunne wieder aufrecht, der
unbekannte Kämpe ſchwang den Streitkolben, ihn zu zerſchmet⸗
tern, Ellak, den linken Fuß auf den erſchlagenen Renner ge⸗
ſtemmt, preßte ihm mit nerviger Fauſt den Arm zurück und
ſtrebte ihn vom Gaul zu reißen: Mann an Mann hub ſich
ein Ringen der beiden Gewaltigen, daß die Kämpfer ringsum,
die Schlachtarbeit einſtellend, hinüberſchauten.
Jetzt hatte Ellak in liſtiger Wendung das kurze Halbſchwert
gegriffen, das ihm nach hunniſchem Brauch zur Rechten hing,
aber wie er zu neuem Stoß ausholte, ſenkte ſich ſchwer und
langſam ſeines Gegners Streitkolben auf ſein Haupt — noch
führte die Fauſt des Getroffenen den Stoß, dann fuhr ſie zur
Stirn, Blut überſtrömte ſie, auf ſein Streitroß taumelte der
Hunnenführer nieder und verhauchte unwillig ſein Leben.
Hie Schwert des Herrn und Sankt Michael! ſcholl's brauſend
itzt von Mönch und Heerbannleuten, zu letztem verzweifeltem
Angriff drangen ſie vor, noch war der Goldgerüſtete der vor⸗
derſte im Treffen. Des Anführers Fall ſchuf den Hunnen pani⸗
ſchen Schreck, rückwärts wandten ſie ſich, rückwärts in toller
Flucht.
„Schon hatte die Waldfrau des Feldſtreits Ausgang erſpäht,
die Roſſe ſtanden geſchirrt, ſie warf einen zornmütigen Blick
auf die anrückenden Mönche und ihren heimatlichen Fels, und
ſcharfen Trabes fuhr ſie dem Rheine zu, der Troß ihr nach
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0221