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220⁰ Vierzehntes Kapitel.
— zum Rhein! war die Loſung der fliehenden Reiter; zuletzt
und ungern kehrte Hornebog mit den Seinen der Schlacht
und dem hohen Twiel den Rücken. Auf Wiederſehen übers
Jahr! rief er höhnend zu den Reichenauer Männern.
Der Sieg war errungen. Doch der, den ſie als Erzengel
wähnten vom Himmel niedergeſtiegen aufs hegauiſche Blach⸗
feld, neigte ſein ſchweres Haupt auf des Streitroſſes Rücken,
Zügel und Kolben entſanken den Händen, war's des Hunnen
letzter Stoß, war's Erſtickung in Hitze des Kampfes — ſie huben
ihn als einen Toten vom Roß. Sein Viſier war gelüftet, ein
freudig Lächeln ſchwebte um das runzelgefurchte mächtige greiſe
Haupt ... von dieſer Stunde hatte des Alten aus der Heiden⸗
höhle Kopfweh ein End. Er hatte in ehrlichem Reiterstod
die Schuld vergangener Zeiten geſühnt, das ſchuf ihm ein
fröhlich Sterben.
Ein ſchwarzer Hund lief ſuchend über die Walſtatt, bis er
des Alten Leichnam gefunden, und leckte ihm wehmütig heu⸗
lend die Stirn, und Ekkehard ſtand dabei, die Träne im Aug',
und ſprach das Gebet ums Heil ſeiner Seele...
Mit Tannenreis am Helm zogen die Sieger auf ihre Berg⸗
feſte zurück. Der Mönche zwölf ließen ſie unten im Tal,
Totenwache auf der Walſtatt zu halten; und waren im Streit ge⸗
fallen der Hunnen einhundertundachtzig, des ſchwäbiſchen Heer⸗
banns ſechsundneunzig, derer von der Reichenau achtzehn, derer
von Sankt Gallen zwanzig, der Alte und Rauching, ſein Dienſt⸗
mann.
Mit verbundener Wange ſchritt Moengal übers Feld, auf
ſeine Keule wie auf einen Wanderſtab ſich ſtützend. Er beſchaute
die Erſchlagenen. Haſt du keinen Hunnen drunter getroffen,
der eigentlich eine Hunnin iſt? fragte er einen der wache⸗
haltenden Brüder.
Nein! war der Beſcheid.
Dann kann ich heimgehen! ſprach Moengal.
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