Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0225
Hadumoth. 223

Zur ſelben Stunde, in der geſtrigen Tages der Kampf be⸗
gonnen, ſtieg ein düſterer Zug vom hohen Twiel hernieder. Es
waren die Männer, ſo die Schlacht geſchlagen. In derſelben
Ordnung rückten ſie an, aber ihr Schritt war langſam und
ihre Banner trauerfarben. Auf den Zinnen der Burg war die
ſchwarze Fahne aufgezogen. Auch die Herzogin ritt mit her⸗
nieder, ſtreng und ernſt kleidete ſie der dunkle Mantel. Die
toten Mönche trugen ſie auf Bahren herzu und ſtellten ſie zu
Seiten des großen Grabes ab, auf daß auch ſie teil nähmen
an der letzten Ehre der Kampfgenoſſen. Wie die Litanei ver⸗
klungen, trat der Abt Wazmann ans offene Grab, er rief den
ſechsundneunzig, die blaß und ſtill drin geſchichtet lagen, den
letzten Gruß und Dank der Überlebenden hinab: Ihr Gedächtnis
ſei geſegnet, und ihr Gebein grüne an ſeinem Ort! Ihr Name
bleibe in Ewigkeit, und die Ehre der heiligen Männer komme
auf ihre Kinder! ſo ſprach er mit den Worten des Predigers,
dann tat er den erſten Erdwurf hinunter, die Herzogin nach
ihm, dann die anderen der Reihe nach. Drauf feierliche Stille.
Vom Grab der Brüder hinweg wollten die, ſo geſtern vereint
geſtritten, auseinander gehen; manch hartes Antlitz ward ge⸗
rührt, Kuß und Handſchlag gewechſelt, dann zogen zuerſt die
von der reichen Au nach ihrem Kloſter. Die Bahren ihrer Toten
wurden mit ihnen getragen, Brüder mit brennenden Kerzen
ſchritten pſalmſingend zur Seite, auch des Alten aus der Hei⸗
denhöhle kampfmüden Leichnam führten ſie mit ſich, geſenkten
Hauptes ging das Streitroß des ungekannten Kriegsmannes,
mit ſchwarzem Tuch umhangen, im Zug — es war ein düſtrer
Anblick, wie das Totengeleite mählich ins Waldesdunkel einbog.
Dann nahmen die vom Heerbann Abſchied von der Her⸗
zogin. Der dürre Fridinger, den Arm in der Binde, führte eine
Schar landabwärts, nur der von Randegg mit etlichen Leuten
ſollte als Beſatzung des hohen Twiel zurückbleiben.
Bewegt ſchaute Frau Hadwig den Abziehenden nach. Dann
ritt ſie langſam übers Schlachtfeld. Sie war geſtern auf dem
Turm der Burg geſtanden und geſpannten Auges dem Toben
des Kampfes gefolgt. Itzt mußte ihr Herr Spazzo noch vieles


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0225