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226 Fünfzehntes Kapitel.

ſich und ſchnitt ein zweifelhaft Geſicht, er ſchätzte ſeine Le⸗
bensdauer auf keine allzu lange Zeit mehr; an einem Krücken⸗
ſtock hinkte er durch die Stube. Vorwärts! deutete ihm Herr
Spazzo und führte ihn hinauf. Er marſchierte in Saal ein.
Halt! rief Herr Spazzo. Da ſtand der Unglückliche ſtill und
ließ verwundert ſeine Augen Umſchau halten.
Teilnehmend beſah Frau Hadwig das fremde Menſchenkind.
Auch Praxedis war herbeigekommen: Schön iſt Euer Beuteſtück
nicht, hatte ſie zu Herrn Spazzo geſagt, aber merkwürdig. Die
Herzogin faltete ihre Hände: — und vor dieſer Nation hat das
deutſche Land gezittert! ſprach ſie.
Die Menge ſchuf den Schreck und ihr Zuſammenhalten, ſagte
der von Randegg, ſie werden nimmer wieder kommen.
Seid Ihr deß ſo gewiß? fragte ſie ſpitzig.
Der Hunn' verſtand nicht viel vom Geſpräch. Sein wunder
Fuß ſchmerzte, er wagte nicht, ſich nieder zu laſſen. Praxedis
ſprach ihn griechiſch an, er ſchwieg ſcheu und ſchüttelte ſein
Haupt. Sie begann durch Zeichen und Winke ein Verſtändnis
anzuknüpfen — er ließ ſich nicht drauf ein. Erlaubet, ſprach ſie
zur Herzogin, ich weiß doch ein Mittel, ihm ein Lebenszeichen
abzugewinnen, in Konſtantinopel hab' ich davon erzählen ge⸗
hört. Sie huſchte aus dem Saal und erſchien wieder, einen
Becher tragend, ſpöttiſch kredenzte ſie den dem ſtummen Ge⸗
fangenen.
Es war ein ſtark Waſſer, gebrannt aus Kirſchen und Stein⸗
obſt; der ſelige Burgkaplan Vincentius hatte manch ſolches
Eſſenzlein bereitet. Da verklärte ſich des Hunnen Antlitz, die
ſtumpfe Naſe ſog den Duft ein, er leerte den Becher, als ob
er's für einen Friedenstrunk anſehe; die Arme über die Bruſt
gekreuzt, warf er ſich vor Praxedis nieder und küßte ihren
Schuh.
Sie gab ihm ein Zeichen, daß die Huldigung der Herzogin
gebühre, da wollte er auch dort ſeinen Dank wiederholen, Frau
Hadwig aber wich zurück und winkte dem Kämmerer, daß er
ſeinen Mann abführe.
Ihr habt närriſche Einfälle, ſprach ſie zu Herrn Spazzo,


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