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Hadumoth. 227
wie er zurückkehrte, — doch war's artig, daß Ihr in währen⸗
dem Streite meiner gedachtet.
Ekkehard ſaß währenddem ſtumm am Fenſter und ſchaute
ins Land hinaus. Herrn Spazzos Art verdroß ihn. Auch Pra⸗
xedis hatte ihm weh getan. Uns zu demütigen, dachte er, hat
der Herr die Kinder der Wüſte herübergeſandt, — eine Mah⸗
nung zu lernen und in ſich zu gehen und auf den Trümmern des
Vergänglichen dem ſich zuzuwenden, was mit dem Hauch des
Ewigen gefeit iſt; — noch liegt die Erde friſch auf dem Grab
der Gefallenen, und ſchon treibt das Völklein wieder ſeine
Späße, als wär' alles nur Schaum und Traum geweſen...
Praxedis war zu ihm herangetreten. Warum habt Ihr uns
nicht auch ein Angedenken aus der Schlacht mitgebracht, Pro⸗
feſſor? ſprach ſie leicht. Es ſoll eine ſonderbare hunniſche
Amazone drin herumgetobt haben, ſo Ihr die gefangen, hätten
wir jetzt ein Pärlein.
Ekkehard hat an Höheres zu denken als an hunniſche Frauen,
ſprach die Herzogin in bitterm Ton, und er weiß zu ſchwei⸗
gen wie einer, der ein Gelübde getan. Was brauchen wir zu
erfahren, wie es ihm in der Schlacht erging?
Die ſchneidige Rede kränkte den Ernſten. — Scherz zu un⸗
rechter Zeit wirkt wie Eſſig auf Honigſeim. Er ging ſchweigend
hinaus, holte Herrn Burkhards Schwert, entblößte es ſeiner
Scheide und warf's unwillig auf den Tiſch vor Frau Hadwig.
Friſchrote Flecken glänzten feucht auf der braven Klinge, und
junge Scharten waren in den Rand gehauen. Ob der Schul⸗
meiſter müßig ging, ſprach er, mag der da bezeugen! ich hab'
meine Zunge nicht zum Herold meiner Tat ernannt.
Die Herzogin war betroffen. Sie trug noch einen Mißmut
auf dem Herzen, es zuckte und drängte, ihm zürnend Luft zu
ſchaffen — aber das Schwert Herrn Burkhards weckte mannig⸗
fache Gedanken, ſie hielt den Groll an ſich und reichte Ekkehard
die Hand.
Ich wollt' Euch nicht kränken, ſprach ſie.
Die Milde der Stimme klang ihm vorwurfsvoll, er zögerte,
die dargebotene Rechte zu ergreifen. Schier hätt' er um Ver⸗
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