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228 Fünfzehntes Kapitel.

zeihung gebeten für ſeine Rauheit, aber das Wort ſtockte ihm;
— da ging die Tür des Saales auf, es ward ihm alles
Weitere erſpart.
Hadumoth, das Hirtenkind, trat ein. Schüchtern ſtand ſie
am Eingang, übernächtig und verweint das Antlitz; ſie ge⸗
traute ſich nicht zu reden.
Was haſt du, arm Kind? rief Frau Hadwig. Komm näher!
Da ging die Hirtin vorwärts. Sie küßte der Herzogin Hand.
Da erſah ſie Ekkehard, deſſen geiſtlich Gewand ihr Scheu ein⸗
flößte, ſie nahte ſich auch ihm, ſeine Hand zu küſſen, ſie wollte
reden, Schluchzen hemmte die Stimme.
Fürcht' dich nicht, ſprach die Herzogin tröſtend. Da fand
ſie Worte. L
Ich kann die Gänſe nimmer hüten, ſprach ſie, ich muß fort⸗
gehen. Du ſollſt mir ein Goldſtück ſchenken, ſo groß du eines
haſt. Wenn ich wieder heimkomm', will ich zeitlebens dafür
ſchaffen. Ich kann nichts dafür, daß ich fort muß.
Warum willſt du fort, Kind? fragte die Herzogin, haben
ſie dir was Leides getan?
Er iſt nicht mehr heimgekommen.
Es ſind viele nicht mehr heimgekommen; darum mußt du
nicht fort. Die draußen blieben, ſind bei Gott im Himmel und
ſind in einem ſchönen luſtigen Garten und wohlauf und haben's
beſſer denn wir.
Aber das Hirtenkind ſchüttelte ſein junges Haupt. Audifax
iſt nicht bei Gott, ſprach's, er iſt bei den Hunnen. Ich hab'
nach ihm geſchaut drunten im Feld, er war nicht bei den toten
Männern, und des Kohlenbrenners Bub' von Hohenſtoffeln,
der auch mit den Schützen zog, hat's geſehen, wie ihn einer
fing .. . Ich muß ihn dort holen, es läßt mir keine Ruh' mehr.
Wo willſt du ihn holen?
Das weiß ich nicht. Ich will gehn, wo die andern hin⸗
geritten ſind, die Welt iſt groß, am Ende find' ich ihn doch, das
weiß ich. Das Goldſtück, das du mir ſchenken ſollſt, will ich den
Hunnen geben und ſagen: Laßt mir den Audifax frei; und
wenn ich ihn hab', kommen wir beide heim.


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