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Hadumoth. 231
Hirtin ſcharfes Aug ſah, daß das Mauerwerk geſchwärzt und
fleckig war und kein Dach mehr trug. Eine blaue Rauchwolke
ſtand unbeweglich drüber.
Wie iſt's hier geheißen? fragte ſie einen Mann, der aus
dem Walde kam.
Schwarzwald! ſagte der Mann.
Und drüben?
Rheinau.
Die Hunnen ſind drüben geweſen?
Vorgeſtern.
Wo jetzt?
Der Mann hatte ſich auf ſeinen Stab geſtemmt und ſchaute
das Kind ſcharf an. Er deutete rheinabwärts. Warum? fragte
er.
Ich will zu ihnen. — Er hob ſeinen Stab und ging ſeines
Weges weiter. Heiliger Fintan, bitt für uns! murmelte er im
Fortgehen.
Und wiederum ſchritt Hadumoth unverdroſſen weiter. Sie
hatte von der Höhe erſchaut, daß der Rhein in großem Bogen
vorwärts ſtrömte; da ging ſie quer über das Gebirg, den
Hunnen einen Vorſprung abzugewinnen, und war zwei Tage
unterwegs, die Nacht im Walde auf Moos gebettet, und ſchier
keinem Menſchen begegnet. Aber viel wilde Talſchluchten traf
ſie und rinnend Gewäſſer und alte Stämme, die der Sturmwind
gefällt; am Platze, wo ſie ſonſt ihre Wipfel hoch gen Himmel
gereckt, faulten ſie und leuchteten grauweiß unheimlich im
Dunkel. Sie ließ den Mut nicht.
Das Gebirg ward minder ſteil und flachte ſich zu einer
Hochebene ab, da ſtrich oft rauher Luftzug drüber, und Schnee
lag in den Talmulden: ſie ging weiter.
Das letzte Stück Brot war verzehrt, da kam ſie auf einen
Bergrücken und ſah wieder den Rhein in der Ferne. Itzt wollte
ſie dem entgegen; aber wie ein Riß im Erdreich tat ſich eine
enge Kluft diesſeits des Berges auf, ein Waldſtrom ſchäumte in
der Tiefe. Junger Schuß von Stauden und Brombeer und
dornigem Geſtrüpp hielt den Abhang dicht beſetzt; ſie bahnte
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