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Hadumoth. 23⁵
Erica ſchnellte das Kleinod an ſeiner Schnur weit von ſich,
daß es tönend an die Bruſt zurückprallte, und ſummte was
Hunniſches vor ſich hin.
Da trat ein wachehaltender Kriegsmann ins Zelt, Hadu⸗
moth, die Hirtin, mit ihm und Snewelin von Ellwangen als
Dolmetſch. Das Kind war ins Lager gekommen, durch Vor⸗
poſten und Wacheruf unverzagt durchſchreitend, bis ſie's feſt⸗
hielten. Snewelin trug Hadumoths Begehr um den gefangenen
Knaben vor; er war mitleidig und weich geſtimmt, als wär' er
noch in der Heimat und begehe den Aſchermittwoch, denn er
hatte heut ſämtliche Untaten im Lauf ſeines Hunnenlebens
überrechnet, die ausgebrannten Klöſter begannen ihm ſchwer
auf dem Gewiſſen zu laſten.
Sag ihm auch, daß ich ein Löſegeld zahlen kann, ſprach
Hadumoth und trennte des Mieders Naht auf, drin der Gold⸗
taler war. Sie reichte ihn dem Anführer dar. Der lachte.
Auch die Heideblume lachte.
Verrücktes Land! ſprach Hornebog. Die Männer ſcheren das
Haupt, und die Kinder tun, was Kriegern geziemte. Wären uns
die Gewaffneten vom See nachgezogen ſtatt dieſes Mägdleins,
es hätt' uns in Verlegenheit bringen mögen.
Er ſah das Kind mißtrauiſch an. Wenn ſie zu ſpähen
käme..! rief er. Aber Erica fuhr dazwiſchen und ſtreichelte
Hadumoths Stirn: Du ſollſt bei mir bleiben, ſagte ſie, ich
brauch' was zum Spielen, ſeit mein ſchwarzer Rapp tot und
mein Ellak tot...
Schafft mir das Gezeug hinaus, rief Hornebog unmutig.
Sind wir am Rhein, um mit Hirtenkindern zu ſpielen?!
Da merkte Erica, daß beim Anführer ein Ungewitter im
Anzug war; ſie nahm das Mägdlein bei der Hand und ging
mit ihr.
Wo das Lager ſich an den Berg hinſtreckte, war zwiſchen
aufgehäuften Steinplatten die Feldküche errichtet. Dort ſchal⸗
tete die Waldfrau. Audifax kniete beim größten der Keſſel und
blies das Feuer an, die Abendſuppe brodelte drin. Jetzt ſprang
er auf und tat einen Schrei. Er hatte ſeine Gefährtin erſchaut.
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