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242 Sechzehntes Kapitel.
Unterſchied des rheiniſchen Weines von dem am See erproben
zu können, außerdem als geringer Erſatz für tapferes Streiten
und die nötigen Seelenmeſſen um die Gebliebenen.
Und wie ſich Frau Hadwig eines Tages dem Vorſchlag, es
abzutreten, nicht ganz abgeneigt erwieſen, kam ſchon des andern
mit dem Frühſten der Subprior geritten und bracht' ein großes
Pergament, drauf ſtund die ganze Formel der Schenkung, und
klang recht ſtattlich, wie alles dem heiligen Pirminius ſolle zu⸗
gewieſen ſein, Haus und Hof und aller Zubehör, gerodet Land
und ungerodet, Wald und Weinberg, Weide und Wieswuchs
und der Lauf der Gewäſſer ſamt Mühlenbetrieb und Fiſch⸗
fang, und was von eigenen Leuten männlichen und weiblichen
Geſchlechtes auf den Huben ſeßhaft... und fehlte auch die
übliche Verwünſchung nicht: „So ſich einer vermeſſen ſollt'“,
hieß es, „die Schenkung anzuzweifeln oder gar dem Kloſter
zu entziehen, über den ſei Anathema Maranatha geſprochen,
der Zorn des Allmächtigen und aller heiligen Engel treffe
ihn, mit Ausſatz werde er geſchlagen wie Nasmann, der Syrer,
mit Gicht und Tod wie Ananias und Sapphira, und ein
Pfund Goldes zahle er zur Sühne des Frevels dem Fis⸗
kus ¹196⁶).“
Der Herr Abt hat ſeiner gnädigen Herrin die Mühe ſparen
wollen, den Schenkbrief ſelbſt aufzuſetzen, — ſprach der Sub⸗
prior, es iſt freier Raum gelaſſen, Namen und Grenzen des
Gutes einzutragen, die Unterſchriften der Parteien und Zeu⸗
gen beizufügen, die Sigille dranzuhängen.
Wiſſet ihr euch bei allen Geſchäften ſo zu ſputen? erwiderte
Frau Hadwig. Ich werd' mir euer Pergament bei Gelegen⸗
heit anſehen.
Es wäre dem Abt ein liebſam und erwünſcht Ding, ſo ich
ihm heute ſchon die Schrift von Euch gezeichnet und geſiegelt
zurückbringen könnte. Es iſt wegen der Ordnung im Kloſter⸗
archiv, hat er geſagt.
Frau Hadwig ſchaute den Mann von oben herab an. Sagt
Euerm Abt, ſprach ſie, daß ich eben die Rechnung ſtellen laſſe,
um wie viel der Brüder Einlagerung auf dem hohen Twiel
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