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Cappan wird verheiratet. 243
mich an Küche und Keller geſchädigt. Sagt ihm außerdem,
daß wir unſere eigenen Schreibverſtändigen haben, ſo es uns
zu Sinne kommt, Hofgüter am Rhein zu verſchenken, und
daß...
Es lagen ihr noch etliche bittere Worte auf der Zunge.
Der Subprior fiel beſchwichtigend ein und gedachte, eine Reihe
von Fällen aufzuzählen, wo erleuchtete Herren und Fürſten
desgleichen getan, — wie die Könige in Francien drüben dem
heiligen Martinus von Tours reichlichſt den Schaden erſetzt,
den er durch der Normänner Plünderung erlitten, und wie
erklecklich durch ſolche Schenkung dem Heil der Seele Vor⸗
ſchub geleiſtet ſei, denn wie das Feuer durchs Waſſer gelöſcht
werde, ſo die Sünde durchs Almoſen...
Die Herzogin wandte ihm den Rücken und ließ ihn ſamt
ſeinen unerzählten Beiſpielen im Saale ſtehen. Zu viel Eifer
iſt vom Üübel! murmelte der Mönch; langſam gefahren, ſicher
gefahren! Da wandte ſich Frau Hadwig noch einmal. Es
war eine unbeſchreibliche Handbewegung, mit der ſie ſprach:
Wollet Ihr mich verlaſſen, ſo gehet auch gleich und ganz!
Er trat ſeinen Rückzug an.
Den Abt zu ärgern, überſandte ſie noch desſelben Tages
dem greiſen Simon Bardo für glückliche Lenkung der Schlacht
eine güldene Kette.
Ein Mann, mit deſſen Schickſal ſich die Herzogin gern be⸗
ſchäftigte, war der gefangene Hunne Cappan. Der hatte an⸗
fangs böſe Tage durchlebt; es war ihm noch nicht klar, war⸗
um man ihn am Leben gelaſſen, er lief ſcheu umher, wie einer,
der kein Recht auf ſich ſelber mehr hat, und wenn er auf
ſeinem Strohlager ſchlummerte, kamen ſchöne Träume über
ihn: Da ſah er weite blumige Gefilde, aus denen wuchſen Gal⸗
gen ohne Zahl wie Diſteln in die Höhe, und an jedem hing einer
ſeiner Landsleute, und am höchſten hing er ſelber und fand's
ganz in der Ordnung, daß er dran hing, denn das war das Los
Kriegsgefangener in ſelben Tagen ¹²7). Es ward aber keiner für
ihn errichtet. Noch etliche Zeit ſchaute er mißtrauiſch auf die
Linde im Burghof; die hatte einen ſtattlichen kahlen Aſt, und
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