Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 247
(PDF, 52 MB)
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Cappan wird verheiratet. 247

Ihr kurz halten, ſo viel als den Sachſen, die der große Karl
in die Weſer treiben ließ, wird ihm auch deutlich werden.
Ekkehard tat, wie ihm geheißen, und ſeine Lehre fiel auf
gutes Erdreich. Cappan hatte auf ſeinen Heerzügen manch ein
deutſches Wort aufgeleſen und hatte, wie alle ſeine Landsleute,
einen eigenen Sinn zu erraten, was anderer Abſicht, auch wenn
die Sprache nicht ganz verſtanden ward. Zeichen und Bild er⸗
gänzte vieles; wenn Ekkehard vor ihm ſaß, das metallbeſchla⸗
gene Evangelienbuch mit den goldgemalten Buchſtaben aufge⸗
ſchlagen, und gen Himmel deutete, ſo wußte der Hunn', wovon
die Rede; das Abbild des Teufels verſtand er und gab in Ge⸗
bärden kund, daß der zu verabſcheuen ſei; vor dem Zeichen des
Kreuzes warf er ſich, wie er von andern geſehen, in die Knie.
So gedieh der Unterricht.
Wie Cappan ſeinerſeits ſich auszudrücken vermochte, ſtellte
ſich freilich heraus, daß ſeine Vergangenheit eine ſehr ſchlimme.
Er nickte bejahend auf die Frage, ob er Wohlgefallen an der
Zerſtörung von Kirchen und Klöſtern gehabt, und an den aus⸗
gereckten Fingern war abzuzählen, daß er mehr denn einmal
bei ſolchem Frevel mitgewirkt.
Unter Zeichen aufrichtiger Reue aber tat er zu wiſſen, daß
er in jüngern Tagen zu Heilung von ſchlimmem Wundfieber
ein Stück vom Herzen eines erſchlagenen Klerikers aufge⸗
zehrt 2⁰0); zur Sühne lernte er jetzt deſto emſiger die offene
Schuld ausſprechen; wenn ein Wort fehlte, half ihm Friderun,
und bald konnte Ekkehard erklären, daß er mit ihm zufrieden,
wenn auch nicht alles in ſeinem Gemüt Eingang gefunden,
was der Kirchenvater Auguſtinus in ſeinem Buch von Unter⸗
weiſung der im Glauben Rohen verlangt.
Da ordneten ſie einen Tag zu gleichzeitigem Vollzug von
Taufe und Hochzeit. Nach der Herzogin Geheiß ſollten ihm drei
Taufpaten gegeben ſein, einer vom Kloſter Reichenau, einer
von Sankt Gallen und einer vom Heerbann, zum Gedächtnis an
die Schlacht, drin ſie ihn gefangen. Die Reichenauer ſandten
Rudimann, den Kellermeiſter; für den Heerbann trat Herr
Spazzo ein. Und weil die Paten ſich nicht einigen konnten,


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