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250 Sechzehntes Kapitel.
den ſilbergrünen Olivenzweig in den Locken, und es war gut
ſo. Freilich in euren harzigen rußigen ſchwärzlichen Tannen⸗
wäldern wächſt nicht Myrte und nicht Olive, aber Efen wär'
auch ſchön, Friderun?
Die drehte ſich zürnend im Stuhl. Lieber ledig bleiben,
ſprach ſie, als mit Blatt und Gras im Haar zur Kirche gehn.
Das mögt Ihr hergelaufenem Volk raten, aber wenn ein
Hegauer Kind Hochzeit macht, muß die Schappelkrone ſein
Haupt ſchmücken, das gilt von jeher, ſeit der Rhein durch den
Bodenſee rinnt und die Berge ſtehen. Wir Schwaben ſind all
ein königlich Geſchlecht, hat mein Vater immer geſagt.
Euer Wille geſchehe, ſprach Praxedis und heftete ihr die
Flitterkrone auf.
Die große Braut erhob ſich, aber Falten lagerten über ihrer
Stirn wie ein Schatten eilenden Gewölks, der ſein vorüber⸗
gehend Dunkel auf die ſonnbeglänzte Ebene wirft.
Willſt du jetzt ſchon weinen, fragte die Griechin, auf daß dir
in der Ehe die Tränen geſpart werden?
Friderun machte ein ernſt Geſicht, und der unholde Mund
zog ſich betrübt in die Länge, daß Praxedis Müh' hatte, nicht
zu lachen.
Mir iſt ſo bang, ſprach die Braut des Hunnen.
Was ſoll dir bang machen, zukünftige Nebenbuhlerin der
Tannen am Stofflerberg?
Ich fürcht', die Burſchen des Gaus tun mir einen Spuk
an, daß ich den Fremden heirate. Wie der Kloſtermeier vom
Schlangenhof die alte Witfrau vom Bregenzer Wald heimge⸗
führt hat, ſind ſie ihm in der Hochzeitnacht vors Haus ge⸗
zogen und haben mit Stierhörnern und Kupferkeſſeln und
großen Meermuſcheln eine Höllenmuſik gemacht, wie wenn ein
Hagelwetter weg zu drommeten wär'; und wie der Rielaſinger
Müller am erſten Tag ſeines Eheſtands vors Haus trat, ſtand
ein Maienbaum gepflanzt, der war kahl und dürr, und ſtatt
Blumen hing ein Strohwiſch dran und ein zerlumpt grüngelb
Schürzlein.
Sei geſcheit! tröſtete Praxedis.
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