Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 251
(PDF, 52 MB)
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Cappan wird verheiratet. 251

Aber Friderun jammerte weiter: Und wenn ſie mir's machen
wie des Bannförſters Witib, da ſie den Jägersknaben nahm?
Der haben ſie nachts das Strohdach entzwei geſchnitten oben
auf dem Hausfirſt, halb zur Rechten, halb zur Linken iſt's
heruntergerollt, der blaue Himmel hat in ihr Hochzeitbett ge⸗
leuchtet, ohne daß ſie wußten warum, und die Krähen ſind
ihnen zu Häupten geflogen ²⁰2).
Praxedis lachte. Du wirſt doch ein gut Gewiſſen haben,
Friderun? ſprach ſie bedeutſam.
Aber der ſtand das Weinen näher.
Und wer weiß, ſprach ſie ausweichend, was mein Cap⸗
pan...
Paulus, verbeſſerte Praxedis.
. . in jungen Tagen für Streiche gemacht? Geſtern nacht
hat mir geträumt, er habe mich feſt in ſeinen Armen gehalten,
da ſei ein hunniſch Weib gekommen, gelb von Geſicht und
ſchwarz von Haar, und hab' ihn weggeriſſen. Mein gehört er!
drohte ſie, und wie ich ihn nicht laſſen wollte, ward ſie zur
Schlange und ringelte ſich feſt an ihm auf..
Laß die Schlangen und Hunnenweiber, unterbrach ſie Pra⸗
xedis, und mach dich fertig, ſie kommen ſchon den Berg herauf
. . Vergiß den Rosmarinzweig nicht und das weiße Tuch!
Hell glänzte draußen im Burghof des Cappan weißes Feſt⸗
gewand. Da gab Friderun den trüben Gedanken Valet und
ſchritt hinaus; die Ehrenmägde empfingen ſie im Hof, der
Neugetaufte lachte ihr fröhlich entgegen, das Glöcklein der
Burgkapelle läutete, es ging zur Hochzeit ²⁰3).
Die Trauung war beendet, mit ſtrahlendem Antlitz verließ
das neue Ehepaar die Burg. Frideruns ganze Sippſchaft war
erſchienen, ſtämmige Leute, die an Höhe des Wuchſes der Braut
nicht nachſtanden; ſie ſaßen als Meier und Bauern auf den
nachbarlichen Höfen; itzt zogen ſie nach dem Gütlein am Fuß
des hohen Stoffeln, das erſte Feuer zur Einweihung des neuen
Herdes anzuzünden und das Hochzeitfeſt zu feiern. Voraus
im Zug wurde auf bekränztem Wagen der Brautſchatz ge⸗
führt; da fehlte die große Bettſtatt von Tannenbrettern nicht,


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