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252 Sechzehntes Kapitel.
Roſen und Trudenfüße als Abwehr von Alp und Wichtelmän⸗
nern und andern nächtlichen Unholden waren darauf gemalt;
— an Kiſten und Kaſten folgte ein mannigfacher Hausrat.
Die Ehrenmägde trugen die Kunkel mit angelegtem Flachs
und den ſchön gezierten Brautbeſen von weißen Reiſern, ein⸗
fache Sinnbilder von Fleiß und Ordnung fürs künftige Haus⸗
weſen. .
An Jauchzen und Jubelruf ließen es die Geleitsmänner nicht
fehlen; dem Cappan aber war's zu Sinn, als hätten die Fluten
der Taufe in früher Morgenſtund alle Erinnerung weggeſpült,
daß er je ſtreifend und ſchweifend ein Roß getummelt, er
ſchritt ehrſam und bürgerlich mit Schwägern und Schwiegern,
als wär' er von Jugend ein Fronvogt oder Schultheiß im
Hegau geweſen.
Noch war der Lärm der bergab Ziehenden nicht verklungen,
da traten zwei ſchmucke Burſche vor die Herzogin und ihre
klöſterlichen Gäſte, des Schaffners auf der kaiſerlichen Burg
Bodmann Söhne und Frideruns Gevattern. Sie kamen als
Hochzeitbitter, jeder eine gelbe Schlüſſelblume hinters Ohr
geſteckt und einen Strauß am zwilchenen Gewand.
Verlegen blieben ſie unter des Saales Eingang ſtehen, die
Herzogin winkte, da traten ſie etliche Schritte vor, dann noch
etliche und ſcharrten eine Verbeugung und ſprachen den alt⸗
herkömmlichen Ladſpruch zum Ehrentag ihrer Baſe und baten,
ihnen hinüberzufolgen über Weg und Steg, über Gaſſen und
Straßen, Brück und Waſſer zum Hochzeithaus; dort werd' man
auftragen ein Kraut und Brot, wie ſelbes geſchaffen der all⸗
mächtige Gott, ein Faß werd' rinnen und Geigen drein klin⸗
gen, ein Tanzen und Springen, Jubilieren und Singen. Wir
bitten Euch, laßt zwei ſchlechte Boten ſein für einen guten,
gelobt ſei Jeſus Chriſt! ſo ſchloß ihr Spruch, und ohne den
Beſcheid zu erwarten, ſcharrten ſie die zweite Verbeugung und
enteilten.
Erweiſen wir unſerm jüngſten chriſtlichen Untertan die Ehre
des Beſuchs? fragte Frau Hadwig heiter. Die Gäſte wußten,
daß auf Fragen, die ſie ſo freundlich ſtellte, keine Verneinung
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