Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 253
(PDF, 52 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0016
Cappan wird verheiratet. 253

zieme. Da ritten ſie des Nachmittags hinüber. Auch Rudi⸗
mann, der Abgeſandte von Pirminius' Kloſter, ritt mit, er
hielt ſich ſchweigſam und lauernd, ſeine Rechnung mit Ekke⸗
hard war noch nicht abgemacht.
Der Stoffler Berg ragt ſtolz und luſtig mit ſeinen drei Ba⸗
ſaltkuppen, von dunkelm Tannwald umſäumt, ins Land hinaus.
Die Burgen, deren Trümmer itzt ſein Rücken trägt, waren noch
nicht gebaut, nur auf dem höchſten ſtand ein verlaſſener Turm.
Auf dem zweiten Bergvorſprung aber war ein beſcheiden Häus⸗
lein im Waldverſteck — des neuen Ehpaars Sitz. Als Zins und
Zeichen, daß der Einziehende der Herzogin Mann, war ihm
geſetzt, alljährlich fünfzig Maulwurfsfelle einzuliefern und auf
Sankt Gallus' Feſttag einen lebenden Zaunkönig.
Auf grüner Waldwieſe hatte die Hochzeitſippe ihr Lager auf⸗
geſchlagen; in großen Keſſeln ward geſotten und gebraten,
wem keine Platte oder Teller zuteil wurde, der ſchmauſte von
tannenem Brett, wo die Gabel fehlte, ward zweizinkige Haſel⸗
ſtaude zu deren Rang erhoben.
Cappan war mühſam zu Tiſch geſeſſen und hielt ſich auf⸗
recht an ſeiner Ehfrau Seite; aber in des Gemütes Tiefe be⸗
wegte er den Gedanken, ob er nicht nach etlichen Tagen die
Gewohnheit des Liegens zur Mahlzeit wieder zum alten Recht
erheben wolle.
In den langen Zwiſchenräumen von einem Gericht zum
andern — der Schmaus begann mit der Mittagſtunde und
ſollte zum Sonnenuntergang noch nicht beendet ſein — ſchuf
der Hunne ſeinen vom Sitzen gequälten Gliedmaßen durch
Tanzen Luft.
Von bäuerlicher Muſika empfangen, kam die Herzogin an⸗
geritten. Sie ſchaute vom Roß herab auf die Fröhlichen, da
zeigte ihr der neue Paulus ſeine wilde Kunſt. Die Muſika
genügte ihm nicht, er pfiff und jauchzte ſich ſelber den Takt;
ſein langes Ehgemahl drehte er in labyrinthiſcher Verſchlin⸗
gung, ein wandelnder Turm und eine Katze des Waldes, ſo
tanzte die Langſame mit dem Behenden, bald beiſammen, bald
fliehend, bald Bruſt gegen Bruſt, bald Rücken gegen Rücken


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0016