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254 Sechzehntes Kapitel.
— dann ſtieß er ſeine Tänzerin von ſich, die Holzſchuhe im
Schweben zuſammenklirrend, tat er ſieben wirbelnde Luft⸗
ſprünge, einen höher als den andern, zum Beſchluß ließ er ſich
vor Frau Hadwig ins Knie fallen und beugte ſein Haupt zur
Erde, als wollt' er den Staub küſſen, den ihres Roſſes Huf
berührt. Es ſollte ſein Dank ſein.
Die Hegauer Vettern aber ſchöpften ein Beiſpiel löblicher
Anregung aus dem ungewohnten Tanz. Es mag ſein, daß
mancher ſpäter ſich nähere Unterweiſung darin erbat, denn aus
fernem Mittelalter klingt noch die Sage herüber von den „ſie⸗
ben Sprüng“ oder dem „hunniſchen Hupfauf“, der als Ab⸗
wechſlung vom einfachen Drehen des Schwäbiſchen und als
Krone der Feſte ſeit jenen Tagen dort landüblich ward.
Wo iſt Ekkehard? fragte die Herzogin, nachdem ſie, vom
Zelter geſtiegen, die Reihen ihrer Leute durchwandelt hatte.
Praxedis deutete hinüber nach einem ſchattigen Rain. Eine
rieſige Tanne wiegte ihre ſchwarzgrünen Wipfel, ihr zu Füßen
im verſchlungenen Wurzelwerk ſaß der Mönch. Lauter Jubel
und Menſchengewühl preßte ihm beklemmend die Bruſt, er
wußte nicht weshalb — er hatte ſich ſeitab gewandt und ſchaute
hinaus über die waldigen Rücken in die Alpenferne.
Es war einer jener duftigen Abende, wie ſie hernachmals
Herr Burkhard von Hohenfels auf ſeinem rieſigen Turm überm
See belauſcht hat, „da die Luft mit Sonnenfeuer getempert
und gemiſchet ²02).“ Die Ferne ſchwamm in leiſem Glanz. Wer
einmal hinausgeſchaut von jenen ſtillen Berggipfeln, wenn
bei blauem Himmel die Sonne glutſtrahlend zur Rüſte geht,
purpurne Schatten die Tiefen der Täler füllen und flüſſiges
Gold den Schnee der Alpen umſäumt, dem muß noch ſpät
im Nebeldunſt ſeiner vier Wände die Erinnerung tönen und
klingen, lieblich wie ein Sang in den ſchmelzenden Lauten des
Südens.
Ekkehard aber ſaß ernſt, das Haupt geſtützt in der Rechten.
Er iſt nicht mehr wie früher! ſagte Frau Hadwig zur
Griechin.
Er iſt nicht mehr wie früher! ſprach Praxedis gedankenlos
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