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Cappan wird verheiratet. 255
ihr nach. Sie hatte auf die hegauiſchen Weiber zu ſchauen und
ihren Feſtſchmuck und überlegte an dieſen hohen Miedern und
faßartig geſteiften Röcken und der unnennbaren Haltung beim
Tanz, ob der Genius guten Geſchmackes händeringend für im⸗
mer dies Land verlaſſen oder ob ſein Fuß es noch gar nie be⸗
treten habe.
Frau Hadwig trat vor Ekkehard. Er fuhr auf ſeinem Moos⸗
ſitz empor, als wär' ihm ein Geiſt erſchienen.
Einſam und fern von den Fröhlichen? frug ſie. Was trei⸗
bet Ihr? L
Ich denke drüber nach, wo das Glück ſei, ſprach Ekkehard.
Das Glück? ſprach Frau Hadwig, das Glück kommt von
ohngefähr wohl über neunzig Stunden her, heißt's im Sprich⸗
wort. Fehlt's Euch? .
Es wäre möglich, ſprach der Mönch und ſchaute ins Moos
hinab. Erneute Muſik und Jauchzen der Tanzenden tönte her⸗
über.
Die dort das Erdreich ſtampfen, fuhr er fort, und mit den
Füßen auszuſprechen wiſſen, was ihnen das Herz bewegt, ſind
glücklich; es gehört wohl wenig dazu, um's zu ſein, vor allem
— er deutete nach den ſchimmernden Häuptern der Alpen —
keine Fernſicht auf Höhen, die unſer Fuß niemals erreichen
darf.
Ich verſteh' Euch nicht, ſagte die Herzogin trocken. Ihr
Herz dachte anders als ihre Zunge. Wie geht es Eurem Vir⸗
gilius? ſprach ſie, die Rede ablenkend; es hat ſich wohl Staub
und Spinnweb über ihn geſetzt in der Not der vergangenen
Tage?
In meinem Herzen iſt er wohl geborgen, ſprach Ekkehard,
wenn das Pergament auch modert. Erſt vorhin ſind mir ſeine
Verſe zum Lob des Landbaus durch die Gedanken gezogen:
Dort das waldumſchattete Häuslein, am Bergeshang der Fel⸗
der ſchwarzfettes Erdreich, ein neu vermählt Paar mit Hacke
und Pflug, der Mutter Erde den Unterhalt abzwingend —
neidig mußt' ich des Virgilius Bild vor mir ſehen:
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