Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 261
(PDF, 52 MB)
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Gunzo wider Ekkehard. 261

herüber, Ihr könntet gleich noch ein Paar mit dem Band der
Ehe zuſammenſchmieden oder wenigſtens feierlich verloben, die
taugen ſo gut zueinand, wie die zwei da drüben.
Ekkehard ließ ſein blaues Aug' lange auf den beiden ruhen.
Er legte ihnen die Hand auf und machte das Zeichen des
Kreuzes über ſie. Wo iſt das Glück? ſprach er leiſe vor ſich
hin. — —
In ſpäter Nacht ritt Rudimann, der Kellermeiſter, in ſein
Kloſter zurück. Die Furt war trocken, er konnte zu Roß hin⸗
über. Von des Abts Zelle glänzte noch ein Lichtſchimmer in
See nieder. Er klopfte bei ihm an, öffnete die Tür halb und
ſprach: Meine Ohren haben heute mehr hören müſſen, als
ihnen lieb war. Mit dem Hofgut zu Saspach am Rheine wird's
nichts! Sie ſetzt das Milchgeſicht von Sankt Gallen drauf...
Varium et mutabile semper femina! Wankelmütig und
veränderlich ſtets iſt das Weib ²⁰7)! murmelte der Abt, ohne
ſich umzuſchauen. Gute Nacht!

Siebzehntes Kapitel.
Gunzo wider Ekkehard.

In den Zeiten, da all das ſeither Erzählte an den Ufern des
Bodenſees ſich zugetragen, ſaß fern in belgiſchen Landen im
Kloſter des heiligen Amandus sur l'Elnon ein Mönch in ſeiner
Zelle. Tagaus, tagein, wenn die Pflicht der Kloſterregel ihn
freiließ, ſaß er dort wie feſtgebannt; Winterſturm war ge⸗
kommen, die Flüſſe zugefroren, Schnee, ſoweit das Auge reichte
— er hatte deſſen keine Acht; der Frühling trieb den Winter
aus — es kümmerte ihn nicht; die Brüder plauderten von
Krieg und ſchlimmer Botſchaft aus dem befreundeten Land am
Rhein — er hatte kein Ohr für ſie. Auf ſeiner Zelle lag Stuhl
und Schragen mit Pergamenten überdeckt, des Kloſters ganze
Bücherei war zu ihm herabgewandert, er las und las und las,
als wollt er den letzten Grund der Dinge ergründen; — zur
Rechten die Pſalmen und heiligen Schriften, zur Linken die


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