Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 268
(PDF, 52 MB)
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268 Siebzehntes Kapitel.

ſollſt du ihm mit Geduld und erläuterndem Verſtand behilf⸗
lich ſein, die wahre Meinung zu ermitteln.“
Folgte ſodann ein Schwall klaſſiſcher Beiſpiele von unge⸗
ſchicktem und nachläſſigem Ausdruck des Gedankens, deren Reihe
mit dem Spruch des Apoſtels ſchließt, der ſich ſelber unge⸗
ſchickt im Reden, aber nicht ungeſchickt an Wiſſen genannt.
„Betrachtet man hienach das Benehmen meines ſanktgalli⸗
ſchen Widerſachers, ſo möchte man glauben, er ſei einmal in den
Garten eines weiſen Mannes eingebrochen und habe vom Miſt⸗
beet einen Rettich geſtohlen, der ihm den Magen verdorben und
Galle angeſetzt. Hüte darum jeder ſein Gärtlein vor ſolchen
Geſellen! Schlechte Geſpräche verderben gute Sitten.
Möglich auch, daß er durchaus nicht anders ſich benehmen
konnte. Er hat wohl den ganzen Tag in den Schlupfwinkeln
ſeiner Kutte nachgeſucht, womit er den Gaſtfreund bewirten
möge, aber weil er nichts anderes als verborgene Liſt und
Bosheit drin vorfand, ſetzte er eben davon ein Pröbchen vor.
Schlechte Menſchen haben ſchlechte Schätze.
Mit ſolchem Weſen ſtimmt denn ſein äußeres Erſcheinen,
das wir ſorgſam zu muſtern nicht unterließen. Sein Antlitz
trug einen fahlen Glanz wie ſchlechtes Metall, das zur Fäl⸗
ſchung des echten dient, ſeine Haare gekräuſelt, die Kapuze fei⸗
ner und ſauberer denn nötig, die Schuhe leicht — auf daß
alle Anzeichen vorhanden, die dem heiligen Hieronymus Ärger⸗
nis gaben, da er ſchrieb: Leider ſind auch in meinem Sprengel
etliche Kleriker, deren Sorge darauf gerichtet iſt, ob ihre Klei⸗
der herrlich düften, die Nägel ihrer Finger glänzen, das krauſe
Haupthaar mit Balſam geſalbt und geſänftigt ſei und der ge⸗
ſtickte Schuh knapp am Füßlein ſitze. Ein ſolcher Aufzug ge⸗
ziemt ſich aber kaum für einen Stutzer und Bräutigam, ge⸗
ſchweige für einen Geweihten des Herrn.
Weiter hab' ich erwogen, ob nicht auch der Laut ſeines eige⸗
nen Namens mit ſeiner Handlungsweiſe übereinſtimme. Und
wie? Ekkehard oder Akhar hieß der Mann, als wäre ihm ſchon
bei der Taufe der Name eines Übeltäters vorahnungsvoll auf⸗
geprägt worden. Denn wer kennt nicht jenen Akhar, der aus


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