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276 Siebzehntes Kapitel.
Hättſt auch in deinem Kloſter Benchor auf der grünen Inſel
bleiben können, iriſcher Hartknochen! dachte der Abt' Wazmann
und entließ ihn ſehr kühl.
Rudimann! rief er dann in den dunkeln Gang hinaus. Der
Gerufene erſchien.
Ihr gedenket noch der Weinleſe, redete ihn der Abt an, und
des Streiches, den Euch ein gewiſſes Milchgeſicht geſchlagen,
dem eine phantaſiereiche Herzogin itzt gewiſſe Grundſtücke zu⸗
wenden will...
Ich gedenke des Streichs, ſprach Rudimann, verſchämt
ſchmunzelnd wie eine Jungfrau, die nach dem Geliebten ge⸗
fragt wird.
Den Streich hat einer zurückgegeben, ſaftig und ſcharf, Ihr
könnet zufrieden ſein. Leſt. Er reichte ihm des Gunzo Per⸗
gamentblätter.
Mit Erlaubnis! ſprach Rudimann und trat ans Fenſter.
Er hatte ſchon manchen braven Wein gekoſtet, der Pater Kel⸗
lermeiſter, ſeit daß er ſein Amt führte, aber ſelbſt damals, als
ihm der Biſchof von Cremona etliche Krüge dunkelbraun ſchäu⸗
menden Aſti überſendet, hatte ſein Antlitz nicht ſo rötlich froh
geſtrahlt, wie jetzo.
Es iſt doch eine herrliche Gottesgabe um ein gründlich Wiſ⸗
ſen und einen ſchönen Stil, ſagte er. Das Ekkehardlein iſt
fertig. Es kann ſich nimmer an freier Luft ſehen laſſen.
Noch nicht ganz, ſagte der Abt, aber was nicht iſt, kann
werden. Der gelehrte Bruder Gunzo hilft uns dazu. Seine
Epiſtel darf nicht ungeleſen vermodern, laſſet etliche Abſchriften
nehmen, lieber ſechs als drei. Der junge Herr muß von Hohen⸗
twiel weggebiſſen werden. Ich liebe die jungen Schnäbel nicht,
die feiner ſingen wollen als die Alten. Schnee auf die Ton⸗
ſur! das ſoll ihm gut tun. Wir werden unſerem Mitbruder in
Sankt Gallen ein Brieflein ſchicken, daß er ihm die Rückkehr
anbefehle. Wie ſteht's mit ſeinem Südenregiſter?
Rudimann hob bedächtig die linke Hand auf und begann mit
den Fingern zu zählen. Soll ich's herſagen? Zum erſten: In
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