Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 277
(PDF, 52 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0040
Gunzo wider Ekkehard. 277

währender Weinleſe den Frieden unſeres Kloſters geſtört, in⸗
dem er...
Halt! ſprach der Abt, das iſt abgetan. Alles, was vor der
Hunnenſchlacht geſchehen und anhängig worden, ſei erledigt,
ab und zur Ruhe! So haben's einſt die Burgunder in ihr Ge⸗
ſetz21¹) geſchrieben, das ſoll auch bei uns noch gelten.
Dann ohne Fingerzählung, ſagte der Kellermeiſter. Des
heiligen Gallus Pörtner iſt, ſeit er ſein Kloſter ließ, dem
Hochmut und der Anmaßung untertan worden; ohne Gruß der
Lippen geht er an Brüdern vorüber, deren Alter und Verſtand
ſeine Reverenz fordern; er hat ſich herausgenommen, am heili⸗
gen Tag, da wir die Hunnen ſchlugen, die Heerpredigt zu hal⸗
ten, wiewohl ein ſo wichtig Amt der Rede einem der hochwürdi⸗
gen Äbte zugeſtanden wäre; hat ſich ferner herausgenommen,
einen heidniſchen Gefangenen zu taufen, wiewohl die Taufe
vorgenommen werden ſoll vom ordentlichen Pfarrer des Be⸗
zirks und nicht von einem, der an die Pforte des heiligen
Gallus gehört.
Was aber aus ſtetiger Berührung des vorlauten Jünglings
mit ſeiner neuen Gebieterin noch werden mag, weiß nur der,
der Herz und Nieren prüft! Bereits hat man bei der Hochzeit
jenes getauften Heiden wahrgenommen, wie er ſich der ein⸗
ſamen Unterredung mit jener Herrin in Israel nicht entzieht
und etlichemal geſeufzt hat gleich einem angeſchoſſenen Dam⸗
hirſch. Auch hat man mit Betrübnis geſehen, wie eine unſtet
irrlichtelnde griechiſche Jungfrau, genannt Praxedis, um ihn
her ihr Weſen treibt; was die Herrin unverdorben läßt, mag
die Dienerin einreißen, von der nicht einmal ſicher iſt, ob ſie
eines orthodoxen Glaubens ſich erfreue. Ein leichtfertig Weib
aber iſt bitterer denn der Tod, ſie iſt ein Strick der Jäger, ihr
Herz ein Netz, ihre Hände ſind Bande, nur wer Gott gefällt,
mag ihr entrinnen.
Es ſtund Rudimann, dem Beſchützer der Obermagd Kerhil⸗
dis, wohl an, daß er die Worte des Predigers ſo getreulich im
Herzen trug.
Genug, ſprach der Abt. Hauptſtück neunundzwanzig: Von


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0040