Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 282
(PDF, 52 MB)
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282 Achtzehntes Kapitel.

Stamm und zupfte das Laub zu einer Streu zuſammen, das
tat er in ſein altehrwürdiges Hochzeitgewand und hing's an
die mächtige Hauseiche. Aber die Hagelkörner ſchlugen fort
und fort in die Kornernte trotz Hochzeitrock und Eichblattſtreu.
Wie feſtgebannt ſchaute der Kloſtermeier auf den im Regen
ſchwebenden Bündel, ob ſich der Wind draus erhebe, der den
Regen verjagt: Der Schönwetterwind blieb aus. Da zogen
ſich ſeine Augbrauen grimmig zuſammen, er biß ſich die Lip⸗
pen und ſchritt in ſeine Stube. Die Knechte wichen ihm auf
zehen Schritte aus, ſie wußten, was es hieß, wenn ihr Meiſter
die Lippen biß. Schier zuſammengebrochen warf er ſich an den
eichenen Tiſch und ſprach lang kein Wort. Dann tat er einen
fürchterlichen Fluch. Wenn der Kloſtermeier fluchte, war's
ſchon beſſer. Der Großknecht kam ſchüchtern herbei und ſtellte
ſich ihm gegenüber; er war ein rieſiger Sohn Enaks, aber vor
ſeinem Meiſter ſtand er blöd wie ein Kind.
Wenn ich die Hexe wüßte! ſprach der Meier, die Wetter⸗
hexe, die Wolkentrude! Die ſollte ihren Rock nicht umſonſt über
den Schlangenhof ausgeſchüttet haben... Daß ihr die Zunge
im Mund verdorre!
Braucht's eine Hexe zu ſein? ſagte der Großknecht. Seit
das Waldweib am Krähen drüben landflüchtig worden, läßt
ſich keine mehr geſpüren.
Schweig! ſchalt der Kloſtermeier grimmig, bis du gefragt biſt.
Der Knecht blieb ſtehen, er wußte, daß es noch an ihn kom⸗
men werde. Sie ſchwiegen eine Zeit. Dann fuhr ihn der Alte
an: Was weißt?
Ich weiß, was ich weiß, ſagte der Knecht pfiffig.
Sie ſchwiegen wiederum eine Weile. Der Kloſtermeier hatte
zum Fenſter hinausgeſchaut, die Ernte war vernichtet. Er
wandte ſich.
Sag's! rief er.
Habt Ihr die Wetterwolke geſehen, ſprach der Knecht, wie
ſie übers Dunkel hingefahren iſt? Was war's? Das Nebel⸗
ſchiff war's! Es hat einer unſer Korn den Nebelſchiffern ver⸗
handelt...


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