Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 283
(PDF, 52 MB)
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Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 283

Der Kloſtermeier ſchlug ein Kreuz, als wollt' er ihm die
weitere Rede wehren.
Ich kenn's von meiner Großmutter her, fuhr der Knecht
fort. Die hat's im Elſaß drüben oft erzählen hören, wenn
das Wetter über den Odilienberg ſauſte. Aus dem Land Ma⸗
gonia kommt's hergeſegelt, das Nebelſchiff, weiß über die
ſchwarzen Wolken, Faſolt und Mermuth ſitzen drinnen, die
hageln die Körner aus den Halmen, wenn ihnen der Wetter⸗
zauberer Macht drüber gegeben, und heben unſer Getreide ins
Luftſchiff hinauf und fahren wieder heim nach Magonia und
zahlen einen guten Lohn ²¹⁸). Das Nebelſchiff rufen, trägt
mehr ein, als Meſſe leſen; uns aber bleiben die Hülſen.
Der Kloſtermeier ward nachdenklich. Dann griff er den
Knecht am Kragen und ſchüttelte ihn.
Wer? rief er heftig.
Der Knecht aber legte den Finger auf den Mund. Es war
ſpäte Nacht geworden.
In der gleichen Frühſtunde, da Cappan dem Ekkehard be⸗
gegnet war, ging der Kloſtermeier mit dem Großknecht über die
Felder, den Schaden zu beſchauen. Sie ſprachen kein Wort. Der
Schaden war groß. Aber das Land jenſeits war minder ver⸗
heert, als ob die Eichen des Waldes eine Grenzſcheide für Ein⸗
ſchlag des Hagels gezogen. Auf dem nahen Grundſtück trieb
Cappan ſeine Arbeit. Er hatte das Stellen der Fallen be⸗
endet und gedachte eine Weile zu ruhen. Er zog aus dem
Gürtel ein Stück ſchwarz Brot und eine Speckſeite, die glänzte
weich und weiß wie friſchgefallener Schnee und war ſo ſchön,
daß er mit Rührung ſeiner neuen Ehfrau gedenken mußte, die
ihm ſolche Atzung zugeſteckt. Und er dachte an allerlei, was ſich
ſeit der Hochzeit zwiſchen ihm und ihr zugetragen, und ſchaute
ſehnſüchtig zu den Lerchen empor, als ſollten ſie hinüberflie⸗
gen zur Kuppe des hohen Stoffeln und ihm Haus und Ehbett
grüßen, und es ward ihm ſo wohl zu Mut, daß er wieder
einen mächtigen Luftſprung tat. Weil ſein ſchlankes Ehgemahl
nicht anweſend, gedachte er ſich jetzt des langen Weges zur
Erde zu legen, um ſeinen Imbiß zu verzehren, denn daheim


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