Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 285
(PDF, 52 MB)
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Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 285

Er riß dem Darniedergeſchlagenen das Obergewand ab und
prüfte den Arm: Wer mit böſen Geiſtern Verbindung pflog,
war irgendwo am Leib gezeichnet. Aber ſie fanden kein Fehl
an dem Mitleidswerten, nur etliche altvernarbte Wunden.
Da wären ſie ſchier wieder zu ſeinen Gunſten geſtimmt wor⸗
den; die Menſchen waren dazumal, wie ein Geſchichtſchreiber
ſagt, in ihren Leidenſchaften nach Art der Wilden, auffahrend
und jäh veränderlich. Aber des Knechts Blick fiel von ohn⸗
gefähr aufs Erdreich, da kroch ein großer Hornſchröter des
Weges; violſchwarz glänzten die Flügeldecken, und die rötlichen
Hörner ſtanden ihm ſtolz wie ein Geweih. Er hatte ſich des
Cappan Mißhandlung angeſchaut und wollte jetzt feldeinwärts,
denn er fand kein Wohlgefallen dran.
Der Knecht aber fuhr erſchrocken zurück.
Der Donnergugi! rief er.
Der Donnerkäfer! rief der Kloſtermeier desgleichen. Jetzt
war Cappan verloren. Daß er mit dem Käfer das Wetter ge⸗
macht, litt keinen Zweifel mehr, Hornſchröter zieht Blitz und
Hagel nieder.
Mach Reu und Leid, Heidenhund! ſprach der Meier und
griff nach ſeinem Meſſer. Es fiel ihm etwas ein: Auf dem
Grab ſeiner Brüder ſoll er's büßen, ſprach er weiter. Er hat
das Wetter beſchworen, die Hunnenſchlacht zu rächen, Art läßt
nicht von Art.
Der Knecht hatte indes den Hornſchröter zwiſchen zwei plat⸗
ten Feldkieſeln zermalmt und grub die Steine in Boden ²¹6).
Jetzt ſchleppten ſie den Cappan vorwärts übers Blachfeld und
ſchleppten ihn zum hunniſchen Grabhügel und ſchnürten ihm
mit Weidenruten Hand und Fuß zuſammen; dann ſprang der
Knecht zum Schlangenhof hinüber und rief ſeine Mitknechte.
Wild und mordluſtig kamen ſie heran, etliche davon hatten auf
Cappans Hochzeit getanzt, das ſtand nicht im Weg, daß ſie
jetzt zu ſeiner Steinigung auszogen.
Cappan fing an nachzudenken. Was ihm zur Laſt gelegt
ward, begriff er nicht, wohl aber, daß Gefahr da. Darum
tat er einen Schrei, der klang gell und durchdringend durch die


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