Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 286
(PDF, 52 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0049
286 Achtzehntes Kapitel.

Luft, wie der Schrei eines wunden Roſſes in der Todesſtunde;
davon ward Ekkehard aus ſeinen Träumen unter dem Flieder⸗
baum aufgejagt, er kannte die Stimme ſeines Täuflings und
ſchaute hinunter. Ein zweitesmal klang Cappans Schrei auf,
da vergaß Ekkehard ſein hohes Lied und eilte die Berghalde
hinab.
Er kam zu rechter Zeit. Sie hatten den Cappan an das
Felsſtück gelehnt, das den Hügel deckte, und ſtanden im Halb⸗
kreis dabei. Der Kloſtermeier tat kund, wie er ihn auf hand⸗
hafter Tat des Wettermachens betroffen, und fragte herum;
da ſprachen ſie ihn ſchuldig, geſteinigt zu werden.
In die unheimliche Verſammlung ſprang Ekkehard. Die
Männer geiſtlichen Standes waren dazumal minder verblendet,
als etliche hundert Jahre ſpäter, wo Tauſende unter gleich be⸗
gründeter Anſchuldigung auf dem Scheiterhaufen verenden
mußten und der Staat ſein „von Rechtswegen“ drunter ſetzte
und die Kirche ihren Segen dazu gab. Und Ekkehard, ſo ſehr er
ſonſt an zauberiſche Kunſt glaubte, hatte ſelber einſtmals im
Kloſter des frommen Biſchof Agobard Schrift gegen unſinnige
Volksmeinung von Hagel und Wetter abgeſchrieben; zürnender
Unwille ſchuf ihm Beredſamkeit.
Was tut ihr, Unſinnige, die ihr richten wollet, wo euch zu
beten geziemt, daß ihr nicht ſelber möget gerichtet werden!
Hat der Mann gefrevelt, ſo wartet bis zum Neumond, wenn
der Leutprieſter von Radolfszell das Sendgericht ²17) hält, dort
mögen ihn die ſieben Eidmänner verbotener Kunſt zeihen, wie
es des Kaiſers und der Kirche Vorſchrift!
Aber die Männer vom Schlangenhof trauten ihm nicht. Ein
drohend Murren erhob ſich.
Da gedachte Ekkehard in den wilden Gemütern eine andere
Saite anzuklingen.
Und glaubt ihr wirklich, ihr, die Söhne des Landes der
Heiligen, der Gott wohlgefälligen ſchwäbiſchen Erde, daß ein
ſo arm hergelaufener Hunnenmenſch Macht haben könnte, un⸗
ſere Wolken zu beſchwören? Glaubt ihr, daß die Wolken ihm
gehorchen? daß nicht vielmehr ein guter Hegauer Blitz ihm


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0049