http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0050
Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 287
das Haupt zerſchmettert hätte zur Strafe des Frevels, daß ein
fremder Mann ihn angerufen?
Wenig fehlte, ſo hätte dieſer Grund den heimatſtolzen Ge⸗
mütern eingeleuchtet. Aber der Kloſtermeier rief: Der Don⸗
nerkäfer! Der Donnerkäfer! Wir haben ihn mit eigenen Au⸗
gen zu ſeinen Füßen kriechen ſehen! Da erſcholl es von neuem:
Steiniget ihn! Ein Feldſtein flog herüber und ſchlug den Ar⸗
men blutrünſtig. Da warf ſich Ekkehard unverzagt über ſeinen
Täufling und ſchirmte ihn mit ſeinem eigenen Leib. Das wirkte.
Die Männer vom Schlangenhof ſchauten einander an; all⸗
mählich wurden ſie ſtumm, dann machte einer im Kreiſe kehrt
und ging feldeinwärts, andere folgten, zuletzt ſtand der Klo⸗
ſtermeier allein: Ihr haltet's mit dem Landverderber! rief er
zürnend, aber Ekkehard antwortete nicht, da ließ auch er den
erhobenen Stein zur Erde ſinken und ging brummend von
dannen.
Cappan war übel zugerichtet. Auf einem Rücken, den ale⸗
manniſche Bauernfäuſte durchgearbeitet, wächſt jahrelang kein
Gras. Der Steinwurf hatte eine Wunde in Kopf geſchlagen,
die blutete ſtark. Ekkehard wuſch ihm das Haupt mit Regen⸗
waſſer und machte das Zeichen des Kreuzes drüber, das rin⸗
nende Blut zu ſtillen, dann verband er ihn notdürftig. Er ge⸗
dachte ans Evangelium vom barmherzigen Samaritaner. Der
wunde Mann ſchaute dankbar aus den gekniffenen Augen zu
ihm empor. Langſam führte ihn Ekkehard zur Burg hinauf; er
mußte ihm zureden, bis er's wagte, ſich auf ſeinen Arm zu
ſtützen. Auch der Fuß mit der Narbe aus der Hunnenſchlacht
tat ihm weh, ſtöhnend hinkte er bergaufwärts.
Auf dem hohen Twiel gab's großen Lärm, wie ſie ankamen.
Alle waren dem Hunnen gut. Die Herzogin kam in Hof her⸗
unter, ſie nickte Ekkehard freundlich zu ob ſeiner Barmherzig⸗
keit. Der Kloſterleute Frevel an ihrem Untertan verſetzte ſie
in zürnende Aufregung.
Das ſoll nicht vergeſſen ſein, ſprach ſie. Sei getroſt, Maus⸗
fänger! Sie ſollen dir ein Wehrgeld zahlen für den wunden
Schädel, das einer Ausſteuer gleichkommt. Und für den ge⸗
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw6/0050