Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 289
(PDF, 52 MB)
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Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 289

Aber ſein grünſamtnes Unterwams und ſeinen goldver⸗
brämten Kämmerermantel ließ er geruhig im Kaſten hangen;
er ſuchte ein abgetragen grau Jagdgewand aus und legte die
großen Beinſchienen an, mit denen er in die Schlacht geritten,
und die größten Sporen dran und probierte etlichemal einen
feſten Tritt. Auf den Eiſenhut aber ſteckte er der wallendſten
Federn drei und tat ſein Schlachtſchwert um.
So kam er in Burghof herunter.
Schaut mich einmal an, holdſelige Jungfrau Praxedis, ſprach
er zu dieſer, was mach' ich heut für ein Geſicht? Er hatte den
Eiſenhut aufs linke Ohr gerückt und ſein Haupt hochfahrend
über die rechte Schulter gedreht.
Sehr ein unverſchämtes, Herr Kämmerer, war der Griechin
Antwort.
Dann iſt's recht! ſprach Herr Spazzo und ſchwang ſich auf
den Gaul. Er ritt aus dem Burgtor, daß die Funken ſtoben,
mit dem erfreulichen Gefühl, daß heute Unverſchämtheit Pflicht
ſei.
Unterweges übte er ſich. Das Wetter hatte eine Tanne nie⸗
dergeworfen; im Wurzelwerk haftete noch das vom Sturz mit
aufgeriſſene Erdreich. Die ſchweren AÄAſte ſperrten den Pfad.
Aus dem Weg,m geiſtlicher Holzklotz! rief Herr Spazzo der
Tanne zu. Wie die ſich nicht rührte, zog er ſein Schwert. Vor⸗
wärts, Falada! ſpornte er die Mähre und ſetzte in kühnem
Satze über den Baum. Im Drüberſpringen tat er einen
Schwerthieb ins Geäſt, daß die Zweige herumflogen.
Nach weniger denn anderthalb Stunden war er ſchon vor
der Kloſterpforte. Der ſchmale Streif Landes, der bei niede⸗
rem Waſſerſtand des Sees das Ufer mit der Inſel verbindet,
war frei von Überſchwemmung und geſtattete das Hinüberreiten.
Ein dienender Bruder tat ihm auf. Es war um Mittags⸗
zeit. Der blödſinnige Heribald kam neugierig aus dem Kloſter⸗
garten hergelaufen, zu ſchauen, wer der fremde Reiter. Er
drängte ſich nah' ans Roß, wie Herr Spazzo abſprang. Der
Hofhund tobte an ſeiner Kette mit Gebell dem Rappen des
Kämmerers entgegen, daß er ſich aufbäumte. Schier hätte
Scheffel. V / VI. 19


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