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290 Achtzehntes Kapitel.
Herr Spazzo Schaden genommen. Wie er mit beiden Füßen
auf die Erde geſprungen war, griff er ſeine Schwertſcheide und
hieb dem Heribald flach über den Rücken.
Es iſt nicht für Euch! rief er und ſtrich ſeinen Bart, es iſt
für den Hofhund. Gebt's weiter!
Heribald ſtand betroffen und griff nach ſeiner Schulter.
Heiliger Pirmin! jammerte er.
Es gibt heute keinen heiligen Pirmin! ſprach Herr Spazzo
entſchieden.
Da lachte Heribald, als wenn er ſeinen Mann kennte. Eia,
gnädiger Herr, die Hunnen ſind auch bei uns geweſen, und
war niemand da als Heribald, ſie zu empfangen, aber ſo
gottlos haben ſie nicht mit ihm geſprochen.
Die Hunnen ſind keine herzoglichen Kämmerer! ſprach Herr
Spazzo mit Stolz.
In Heribalds blödſinnigem Gehirn begann der Gedanke auf⸗
zudämmern, die Hunnen ſeien nicht die ſchlimmſten Gäſte auf
deutſcher Erde. Er ſchwieg und ging in Garten. Dort riß
er ein paar Salbeiblätter ab und rieb ſeinen Rücken.
Herr Spazzo ſchritt über den Kloſterhof zum Tor, das durch
den Kreuzgang ins Innere führte. Er trat feſt auf. Die Glocke
zum Mittagsmahl läutete. Einer der Brüder kam ſchnellen
Ganges über den Hof. Herr Spazzo faßte ihn am dunkteln
Gewand. G
Rufet mir den Abt herunter! ſprach er. Der Mönch ſah ihn
verwundert an und tat einen Seitenblick auf des Kämmerers
abgetragen Jagdhabit.
Es iſt die Stunde der Mahlzeit, ſprach er. Wenn Ihr ge⸗
laden ſeid, was ich aber... er ſchaute wiederum etwas ſpöt⸗
tiſch auf Spazzos Jagdrock; der Schluß ward ihm erſpart, der
Kämmerer würdigte den hungrigen Bruder eines gediegenen
Fauſtſchlages, daß er taumelnd von der Schwelle in den Hof
hinausflog wie ein wohlgeſchleuderter Federball. Die Mittags⸗
ſonne ſchien auf des Gefallenen Tonſur.
Dem Abt war bereits gemeldet worden, welch einen Frevel
der Kloſtermeier ſich an der Herzogin Mann erlaubt. Jetzt
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