Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 292
(PDF, 52 MB)
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292 Achtzehntes Kapitel.

Es wird ſchwer halten, ſprach Rudimann. Sie wird recht
giftig ſein.
Bringt ihr ein Geſchenk mit, ſprach der Abt. Kinder und
Frauen laſſen ſich gern die Augen blenden.
Was für eines? wollte Rudimann fragen, da ward die Tür
aufgeriſſen. Herr Spazzo trat ein. Sein Geſicht lag in den
richtigen Falten.
Beim Leben meiner Herzogin!! rief er, hat der Abt dieſes
Rattenneſtes heute Blei in ſeine Ohren gegoſſen, oder iſt ihm
Gichtbruch in die Füße gefahren? Was kommet Ihr nicht,
Euern Beſuch zu empfangen?
Wir ſind überraſcht, ſprach der Abt, laßt Euch willkommen
heißen. Er hob den rechten Zeigefinger, ihm den Segen zu er⸗
teilen.
Brauch keinen Willkomm! gab ihm Herr Spazzo zurück. Der
Teufel iſt heute Schutzpatron des Tages. Wir ſind gekränkt!
ſchwer gekränkt! Wir heiſchen Buße: zweihundert Pfund Sil⸗
bers zum mindeſten. Heraus damit!! Mord und Weltbrand!
den landesherrlichen Rechten ſoll durch klöſterliche Anmaßung
kein Eintrag geſchehen! Wir ſind Geſandter.
Er klirrte mit den Sporen auf dem Fußboden.
Verzeihet, ſprach der Abt, wir haben am grauen Jagdrock
die Tracht des Geſandten nicht zu erkennen vermocht.
Beim kamelhärenen Kleid des Täufers Johannes! brauſte
Herr Spazzo auf, und wenn ich im Hemd angeritten käme, ſo
wär' die Gewandung noch ſtolz genug, um vor euch ſchwarze
Kutten als Herold zu treten.
Er ſetzte ſeinen Helm auf. Die Federn nickten: zahlet, da⸗
mit ich weiters kann. Es iſt ſchlechte Luft hier, ſchlecht, ſehr
ſchlecht..
Erlaubet, ſagte der Abt, im Zorn laſſen wir keinen Gaſt von
der Inſel reiten. Ihr ſeid ſcharf, weil Ihr noch nichts ge⸗
geſſen habt. Laſſet Euch ein Kloſtermahl nicht gereuen. Nach⸗
her von Geſchäften.
Daß einer für ſeine Grobheit freundlich zum Mittagsmahl
eingeladen wird, machte dem Kämmerer einigen Eindruck. Er


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