Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 293
(PDF, 52 MB)
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Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 293

nahm ſeinen Helm wieder ab. Den landesherrlichen Rechten
ſoll durch klöſterliche Anmaßung kein Eintrag geſchehen! ſprach
er noch einmal, aber der Abt deutete hinüber: da ſah man die
offene Kloſterküche, der blonde Küchenjunge drehte den Spieß
am Feuer und ſchnalzte mit der Zunge, denn ein lieblicher
Bratenduft war in ſeiner Naſe aufgeſtiegen — ahnungsvoll
ſtanden etliche verdeckte Schüſſeln im Hintergrund, — ein
Mönch wandelte mit rieſigem Steinkrug vom Keller her durch
den Hof. Das Bild war allzu lockend.
Da vergaß Herr Spazzo die amtlichen Stirnfalten und nahm
die Einladung an.
Bei der dritten Schüſſel ſtrömten ſeine Grobheiten ſpär⸗
licher. Wie der rote Meersburger im Pokal glänzte, verſieg⸗
ten ſie ganz. Der rote Meersburger war gut. —
Unterdes ritt Rudimann, der Kellermeiſter, aus dem Klo⸗
ſter. Der Fiſcher von Ermatingen hatte einen rieſigen Lachs
gefangen, friſch und prächtig lag er im kühlen Keller verwahrt;
den hatte Rudimann erleſen als Geſchenk zur Beſchwichtigung
der Herzogin. Auf dem Schreibzimmer des Kloſters hatte er
auch noch zu ſchaffen, bevor er ausritt. Ein Laienbruder mußte
ihn begleiten, das in Stroh verpackte Seeungetüm quer über
ſein Maultier gelegt. Herr Spazzo war hochmütig herüber⸗
geritten, demütig ritt Rudimann hinüber. Er ſprach leiſe und
ſchüchtern, wie er nach der Herzogin fragte. Sie iſt im Gar⸗
ten, hieß es.
Und mein frommer Mitbruder Ekkehard? frug der Keller⸗
meiſter.
Der hat den wunden Cappan in ſeine Hütte am Hohenſtof⸗
feln geleitet und pflegt ihn, er kommt vor Nacht nicht heim.
Das tut mir leid, ſprach Rudimann. Höhniſch verzog er
ſeine Lippen. Er ließ den Lachs auspacken und auf die Granit⸗
platte des Tiſches im Hofe legen; die Linde warf ihren Schat⸗
ten drüber, die Schuppen des Seegewaltigen glänzten, es war,
als ob ſein kühles Auge noch Leben hätte und ſchmerzlich ſtumm
vom Berggipfel nach den blauen Wogen drüben ſchaute. Der
Fiſch war über eines Mannes Länge; Praxedis hatte einen


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