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296 Achtzehntes Kapitel.
Die Freude ſollen die Kutten nicht erleben, dachte er, daß
vor ihrem Kloſterwein eines herzoglichen Dienſtmannes Zunge
ſtille ſteht! Er ſtand feſt auf den Füßen.
Halt an, ſprach der Abt, des Abſchieds Minne!
Da kam der vierte Krug. Herr Spazzo war zwar aufge⸗
ſtanden, aber zwiſchen Aufſtehen und Fortgehen kann ſich noch
vieles zutragen. Er trank wieder. Wie er ſeinen Pokal ab⸗
ſetzen wollte, ſtellte er ihn bedächtig in die blaue Luft hinein,
daß er auf die Steinplatten des Fußbodens fiel und zerſchellte.
Da ward Herr Spazzo grimmig. Verſchiedenes rauchte und
rauſchte ihm durch den Sinn.
Wo habt Ihr ihn? fuhr er den Abt an.
Wen?
Den Kloſtermeier! Gebt ihn heraus, den groben Bauer, der
mein Taufpatenkind hat umbringen wollen! Er ging drohend
auf den Abt los. Nur einen einzigen Fehltritt tat er.
Der ſitzt auf dem Schlangenhofe, ſprach der Abt lächelnd.
Er ſei Euch ausgeliefert. Ihr müßt aber ſelber ausziehen und
ihn holen.
Mord und Weltbrand! wir werden ihn holen, polterte Herr
Spazzo und ſchlug ans Schwert, indem er nach der Türe ſchritt.
Aus dem Bett werden wir ihn greifen, den Bärenhäuter, und
wenn er gegriffen iſt, beim Torniſter des heiligen Gallus!
wenn er... dann... ſag' ich Euch...
Die Rede kam nimmer zum Schluß. Die Sprache ſtand ihm
ſtill wie die Sonne in der Amorrhiter Schlacht, da Joſua ihr
gebot.
Er griff nach des Abtes Becher und trank ihn ler.
Die Sprache kam nicht wieder. Ein ſüßes Lächeln lagerte
ſich auf des Kämmerers Lippen. Er ſchritt auf den Abt zu und
umarmte ihn.
Freund und Bruder! vielgeliebter alter Steinkrug! wie
wär's, wenn ich Euch ein Aug' ausſtäche? wollte er mit kämp⸗
fender Zunge zu ihm ſagen; es gelang ihm nimmer, verſtänd⸗
lich zu ſein. Er preßte den Abt feſt und trat ihm dabei mit
dem beſpornten Stiefel auf den Fuß. Abt Wazmann hatte be⸗
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