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300 Neunzehntes Kapitel.
Elefanten gemacht und dann einen Feldzug gegen das ſelbſt⸗
geſchaffene Ungetüm begonnen! Das Reichenauer Geſchenk
ſchmeckt eſſigſauer. — Sie verzog den lieblichen Mund wie
damals, da ſie Wiborads Holzäpfel koſten mußte.
Frau Hadwig war ſonderbar bewegt. Ein unheimlich Ge⸗
fühl ſagte ihr, daß in Gunzos Blättern ein Geiſt ſein Weſen
treibe, der nicht vom Guten, aber ſie gönnte Ekkehard die De⸗
mütigung.
Ich glaube, er hat die Zurechtweiſung verdient, ſprach ſie.
Da ſprang Praxedis auf: Unſer braver Lehrer verdient
manche Zurechtweiſung, rief ſie, aber das ſollte unſere Sache
ſein. Wenn wir ihm ſeine blöde Schwerfälligkeit wegſchul⸗
meiſtern, tun wir ein gutes Werk. Aber wenn einer mit dem
Balken im Aug' dem andern den Splitter vorwirft, das iſt zu
arg. Die böſen Mönche haben das nur angebracht, um ihn an⸗
zuſchwärzen. Darf ich's zum Fenſter hinauswerfen, gnädige
Herrin?
Wir haben Euch weder um Ekkehards Erziehung noch um
Werfung eines Gaſtgeſchenks zum Fenſter hinaus erſucht, ſprach
die Herzogin bitter. Praxedis ſchwieg.
Die Herzogin konnte ſich von der eleganten Schmähſchrift
lange nicht trennen. Ihre Gedanken waren dem blonden Mönch
nicht mehr zugewendet wie damals, als er ſie über den Hof
des heimiſchen Kloſters trug. Im Augenblick überſchwänglichen
Gefühls nicht verſtanden werden, iſt gleich der Verſchmähung,
der Stachel weicht nicht wieder. Wenn ſie ihn jetzt erſchaute,
pochte das Herz nicht in höherem Schlag; oft war's Mitleid,
was ihre Blicke ihm noch zuführte, aber nicht jenes ſüße Mit⸗
leid, aus dem die Liebe aufſprießt wie aus kühlem Grunde die
Lilie — es barg einen böſen Keim von Geringſchätzung in
ſich.
Durch Gunzos Schmähſchrift ward auch das Wiſſen, das die
Frauen ſeither hoch an ihm gehalten, in Staub gezogen, was
blieb noch Gutes? Das ſtille Weben und Träumen ſeiner
Seele verſtand die Herzogin nicht, zarte Scheu iſt in anderer
Augen Torheit. Daß er in der Frühe ausgegangen, das hohe
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