Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 302
(PDF, 52 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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302 Neunzehntes Kapitel.

die Griechin in ſeine Stube gelegt. Seine Hand ſpielte mit
einer wilden Roſe, die er heimgehend im Tannwald gepflückt,
während ſein Auge die geharniſchten Angriffe des welſchen
Gelehrten aufnahm.
Woher mag es kommen, dachte er und ſog den Duft der
Blume ein, daß ſo vieles der Tinte Entſproſſenes ſeinen Ur⸗
ſprung nicht verleugnen kann? Alle Tinte kommt vom Gall⸗
apfel und aller Gallapfel vom böſen Weſpenſtich...
Mit heiterem Antlitz legte er ſchließlich die gelben Perga⸗
mentblätter weg: Eine gute Arbeit — eine recht fleißige gute
Arbeit — o, der Wiedehopf iſt auch eine wichtige Perſon unter
dem fliegenden Getier! Aber die Nachtigall hat kein Ohr für
ſeinen Geſang.. . Er ſchlief ausgezeichnet gut nach ſeiner Le⸗
ſung.
Wie er des andern Morgens von der Burgkapelle zurück⸗
ſchritt über den Hof, traf er auf Praxedis.
Wie geht's Euch, Hunnentäufer? ſprach ſie leicht, ich bin
ernſtlich um Euch beſorgt. Es hat mir geträumt, ein großer
brauner Meerkrebs ſei den Rhein herauf geſchwommen und aus
dem Rhein in den Bodenſee, und vom Bodenſee ſei er auf un⸗
ſere Burg gekrochen und hätt' ſchneidige Scheren und hätt' Euch
drein geklemmt und ſcharf ins Fleiſch geſchnitten. Der See⸗
krebs heißt Gunzo. Habt Ihr noch viel ſo gute Freunde?
Ekkehard lächelte.
Ich mißfalle manchem Mann, der mir auch nicht gefallen
kann, ſprach er. Wer an rußige Keſſel anſtößt, kann leichtlich
ſchwarz werden.
Scheint Euch aber ganz gleichgültig zu ſein — ſprach Pra⸗
xedis. Ihr ſolltet Euch ſchon heut auf eine Antwort beſinnen.
Siedet den Krebs rot ab, dann beißt er nimmer.
Die Antwort, erwiderte Ekkehard, hat ein anderer für mich
gegeben. Wer zu ſeinem Bruder ſpricht: Rakka! wird des hohen
Rates ſchuldig ſein, und wer ſagt: du Narr! wird des hölli⸗
ſchen Feuers ſchuldig ſein.
Ihr ſeid recht fromm und mild, ſagte Praxedis, aber ſehet
zu, wie weit Ihr damit in der Welt kommet. Wer ſich ſeiner


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