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Burkhard, der Kloſterſchüler. 311
Da lachte Frau Hadwig: Vorwärts denn! Weißt du den
Antiphon: Ihr Meere und Flüſſe, lobet den Herren!
Ja, erwiderte Burkhard.
So ſprich mir nach: Thalassi ke potami, eulogite ton
kyrion! Der Knabe ſprach's nach.
Jetzt ſing es! Er ſang es.
Ekkehard ſchaute vorwurfsvoll auf die Gruppe herüber. Die
Herzogin verſtand den Blick.
So, nun haſt du bereits ſechs Worte gelernt, ſprach ſie zu
Burkhard. Wenn du wieder in Hexametern drum bitteſt, ſoll dir
ein Mehreres verabreicht ſein. Setz' dich jetz mir zu Füßen
und hör' andächtig zu. Wir werden Virgilius leſen.
Da begann Ekkehard mit der AÄneide viertem Geſang und
las die Sorgen der Dido, wie immerdar der Gedanke an den
edeln Trojaner Gaſt ſie umſchwebt und feſt im innerſten Buſen
ſein Antlitz haftet und Wort. Und ſie klagt ihr Leid der
Schweſter:
Wenn's nicht feſt in der Seele und unabänderlich ſtünde,
Keinem wollt' ich hinfort durch ehliches Band mich geſellen,
Seit mit dem Erſtgeliebten mir Freud' und offum dahin⸗
L tarb,
Wenn nicht verhaßt Brautkammer und Hochzeitfackel mir wäre:
Dieſer einen Verſuchung vielleicht noch könnt' ich erliegen.
Anna, ich will es geſtehn: nachdem mein armer Sichäus
Sank, der Gemahl, und troffen in Bruderblut die Penaten,
Hat er allein mir gewendet den Sinn und die wankende Seele
Mir bewegt, ich erkenne die Spur vormaliger Flammen.
... Aber Frau Hadwig war wenig ergötzt von den Schmerzen
der karthagiſchen Königswitwe. Sie warf ſich in ihrem Lehn⸗
ſtuhl zurück und ſchaute zur Decke empor. Sie fand keine Be⸗
ziehungen mehr zwiſchen ſich und der Frauengeſtalt des Dich⸗
ters.
Haltet an! rief ſie dem Vorleſenden zu, man merkt wieder,
daß ein Mann das geſchrieben. Er will die Frau demütigen.
Alles falſch. Wer wird ſich ſo in einen fremden Gaſt ver⸗
narren?
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