Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 314
(PDF, 52 MB)
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314 Neunzehntes Kapitel.

gelangweiltem Ausdruck, es gibt noch mannigfache Mittel und
Wege, uns Kurzweil zu ſchaffen. Wie wär' es, wenn ich Euch
aufgäbe, uns etwas Anmutiges zu erzählen, — Ihr möget
dabei ausleſen, was Euch gefällt, es gibt ſo viel Liebreizendes
und Gewaltiges noch außer Euerem Virgil. Oder gehet hin und
dichtet ſelber etwas. Euch drückt irgend eine Laſt, Ihr mögt
nicht erklären, Ihr mögt nicht aufs Land gehen, alles tut Euern
Augen weh, Eurem Geiſt fehlt eine große Aufgabe, wir wollen
ſie Euch ſetzen.
Was ſollt' ich dichten? erwiderte Ekkehard. Iſt's nicht ſchon
Glück genug, das Echo eines Meiſters wie Virgilius zu ſein?
Er ſah mit umflortem Auge auf die Herzogin. Ich wüßte nur
Elegien zu ſingen, ſehr traurige.
Sonſt nichts? fragte Frau Hadwig vorwurfsvoll. Haben
unſere Vorfahren keine Kriegszüge getan und ihr Heerhorn mit
Sturmſchall durch die Welt erklingen laſſen und Schlachten ge⸗
ſchlagen, ſo viel wert wie die des Landfahrers Aneas? Glaubt
Ihr, der große Kaiſer Karl hätte die uralten Lieder der Völker
ſammeln und ſingen laſſen, wenn nur leeres Stroh darin ſteckte?
Müßt Ihr zu allem Eure lateiniſchen Bücher haben?
Ich weiß nichts, wiederholte Ekkehard.
Ihr ſollt aber etwas wiſſen, ſagte die Herzogin. Es ſtünde
doch zu verwundern, wenn nur wir Hausgenoſſen der Burg
einen Abend zuſammenſäßen und von den alten Geſchichten
und Sagen plauderten, ob da nicht mehr zuſammenkäme, als
in der ganzen Aneide ſteht? Des Kaiſer Karl frommer Sohn
hat freilich vom alten Heldenſang nichts mehr wiſſen wollen ²33)
und lieber ſchnarrendem Pſalmodieren ſein Ohr geliehen und
iſt an Leib und Seele verkümmert geſtorben, aber uns allen
haften von Kindesbeinen noch jene Geſchichten an. Erzählet
uns eine ſolche, Meiſter Ekkehard, dann erlaſſen wir Euch den
Virgil ſamt der liebeſiechen Königin Dido.
Aber Ekkehards Gedanken flogen weit anderwärts. Er ſchüt⸗
telte ſein Haupt wie ein Träumender.
Ich ſehe, Ihr brauchet Anſtoß, ſprach die Herzogin. Es ſoll
Euch von allen ein gut Beiſpiel gegeben werden. Praxedis,


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