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Von deutſcher Heldenſage. 317
Du biſt der törigſte Schlingel, der je einen Fuß über eine
Kloſterſchulſchwelle geſetzt! ... ſprach ſie, verſtrickte ihn ſchnell
in ihre weißen Arme und küßte ihn derb auf die Naſe.
Wohl bekomm's! rief eine tiefe Baßſtimme von der Garten⸗
pforte her, wie ſie den Knaben ſchalkhaft von ſich ſtieß. Es war
Herr Spazzo.
Schönen Dank! ſprach Praxedis unbetrübt. Ihr kommt
gerade recht, Herr Kämmerer, um bei Aufrichtung des Zelt⸗
tuchs zu helfen. Mit dem törigen Knaben bring' ich's heut
nicht mehr zu ſtand.
So ſcheint es! ſprach Herr Spazzo mit einem dreiſchneidigen
Blick auf den Kloſterſchüler. Der hatte Angſt vor des Käm⸗
merers grimm geſtrichenem Schnurrbart und drehte ſich einem
Roſengebüſch zu. Aſtronomie und Metrik, Ariſtoteles in der
Urſprache und rote Frauenlippen ſchwebten in tanzendem
Durcheinander durch das fünfzehnjährige Gemüt.
Gibt's keine beſſeren Leute zu küſſen im Hohentwieler Burg⸗
frieden, Jungfräulein? fragte Herr Spazzo.
Wenn man je eine Sehnſucht hätte, war Praxedis Antwort,
ſo ſind die beſſeren Leute ausgeritten und fahren in Nacht und
Nebel herum und kommen erſt am hellen Tag in einem Aus⸗
ſehen wieder heim, daß man meinen könnt', ſie hätten Irrlichter
einfangen wollen.
Da hatte Herr Spazzo ſeinen Teil. Er hatte aber ein Ge⸗
lübde getan, von ſeinem nächtlichen Ritt ſamt Kuckucksruf und
vince luna kein Wörtlein zu verplaudern. Wozu ſoll ich Euch
helfen? fragte er demütig.
Eine Laube herrichten! ſprach Praxedis. In abendlicher
Sommerkühle will die Herzogin hier Hof halten — es ſollen
Geſchichten erzählt werden, alte Geſchichten, Herr Kämmerer,
je wunderbarer deſto beſſer! Unſere Herrin hat das Lateiniſche
ſatt bekommen, ſie will was anderes, Ungeſchriebenes, Einhei⸗
miſches . . Ihr müßt auch Euer Scherflein beitragen.
Gott ſei meiner Seele gnädig! ſprach Herr Spazzo, wenn
unter einer Frauen Herrſchaftführung nicht alles wunderbar
herging', ſo möcht' man ſich noch verwundern. Gibt's keine
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