Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 6: Ekkehard. 2. Teil.)
[1916]
Seite: 321
(PDF, 52 MB)
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Von deutſcher Heldenſage. 321

brand und ſeinem Sohn Hadubrand aufführten. Der Wächter
hat immer ſeine Freude dran gehabt und hat uns ſelber die
hölzernen Roſſe geſchnitzt und die langen dreieckigen Schilde;
ich bin der Sohn Hadubrand geweſen und mein Mitſchüler
Notker machte den alten Hildebrand, weil er eine ſo große
Unterlippe hat wie ein alter Mann. Und wir ſind aufeinand
eingeritten, daß eine Staubwolke zu des Romeias Fenſter
hinauswirbelte; juſt hatte Notker den Armring losgelöſt und
mir als Gabe gereicht, wie das Lied es vorſchreibt ²37), und ich
ſprach zu ihm:
Du ſcheinſt mir, alter Heune, doch allzuſchlau; lockeſt mich
mit deinen Worten, willſt mich mit deinem Speere werfen;
biſt du ſo zum Alter gekommen, daß du immer trogeſt? mir
kündeten Seefahrende weſtlich über den Wendelſee: hinweg
nahm ihn der Krieg, tot iſt Hildebrand, Heribrands Erzeug⸗
ter! —
Da kam Herr Ratolt, unſer Lehrer der Rhetorica, herauf⸗
geſchlichen und fuhr mit ſeiner großen Rute ſo grimmig zwi⸗
ſchen uns, daß Roß und Schild und Schwert den Händen ent⸗
fielen: den Romeias ſchalt er einen altväteriſchen Bärenhäuter,
der uns pvon nützlichem Studium ablenke, und mein Kamerad
Notker und ich ſind drei Tage bei Waſſer und Brot eingeſperrt
geſeſſen und haben zur Strafe fürs Hildebrandſpiel jeder hun⸗
dertundfünfzig lateiniſche Hexameter zu Ehren des heiligen
Othmar anfertigen müſſen..
Die Herzogin lächelte. Da ſei Gott für, daß wir dich wie⸗
derum zu ſolcher Sünde verleiten, ſprach ſie.
Sie faßte die Halme in der Rechten zuſammen und reichte
ſie anmutig den andern zum Ziehen. Ekkehards Augen hafteten
unverrückt auf der Roſe am Stirnband, wie er vor ſie trat.
Sie mußte ihn zweimal auffordern, bis er zog.
Mord und Brand und Weltende! wollte Herr Spazzo heraus⸗
fahren; er hatte den kürzeſten Halm gegriffen. Aber er wußte,
daß keine Ausrede ihn loswinden könne, und ſchaute betrüblich
über die ſteile Felswand hinunter ins Tal, als ob ſich von
dort ein Ausweg auftun müſſe. Praxedis hatte die Laute ge⸗
Scheffel. V/VI. 21


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